Lesung


14. November 2013

   


LESUNG

Lieder aus Theresienstadt



Musikalisch-literarische Soiree


Lesung: Rudolf Guckelsberger
Gesang: Elisabeth Auerbach
Klavier: Markus Hadulla

 

„Lacht um Euer Leben“


Kurt Gerron, ehemaliger Ufa-Star, selbst Häftling im Ghetto Theresienstadt, tat das Unfassbare: Er drehte 1944 einen Dokumentarfilm, der „in der Hölle vom Paradies erzählt“. Warum?

Charles Lewinsky sucht in seinem Roman „Gerron“ Antworten auf diese Fragen. „Vieles ist erfunden“, schreibt er im Nachwort, der Kern der Geschichte beruht auf Tatsachen. Rudolf Guckelsberger stellte Auszüge des Werks im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg vor. Zu sagen, er las daraus, wäre untertrieben. Er durchlebte die Zweifel, die Ängste und die Hoffnungen von Gerron mit seiner gesamten Physis, er konfrontierte das gebannt lauschende Publikum mit einer Situation, in der Undenkbares Realität, in der Unvernunft Normalität wurde.

„Er war nett zu mir und das macht mir Angst.“
Obersturmführer Rahm erteilte Gerron den Auftrag, und dieser hatte drei Tage Zeit, sich zu entscheiden: Konnte er wirklich als Häftling einen Propaganda-Film über das Ghetto drehen?

„Einen Film dreht man nicht im Zug nach Auschwitz.“
Dieser Film hätte Leben retten können. Zum Beispiel das der 29jährigen Operationsschwester, deren Name auf der gefürchteten Transportliste auftauchte. Wenn Gerron sie als Darstellerin brauchte, um die Qualität der medizinischen Versorgung in Theresienstadt zu „belegen“, konnte sie überleben. Wie er selbst und seine Frau auch. Das war die Hoffnung.

„Das Lügen in Bildern habe ich in der Ufa gelernt.“
Also schrieb er ein Drehbuch. Er inszenierte einen Festumzug, der zeigen sollte, wie frohgemut die Einwohner zur Arbeit gehen. Er stellte eine Kabarett-Aufführung nach, um das „lächelnde Gesicht von Theresienstadt“ zu präsentieren. Dabei hatte er große Mühe, das Publikum zum Lachen zu bringen. Er verschaffte der Filmcrew aber auch ungekannte Freiheiten: für eine Badeszene durfte sie an die Eger, das Ghetto-Gelände verlassen.

„Den Wettlauf gewinnen, wenn ich langsam genug bin.“
Draußen besetzten die Amerikaner Paris. Konnte Gerron sein Filmprojekt bis zum ersehnten Kriegsende in die Länge ziehen? 48 Stunden nach dem unvermeidbaren Abschluss der Dreharbeiten wurde der Name der Operationsschwester auf die Transportliste gesetzt. Kurt Gerron und seine Frau wurden drei Tage vor Ende der Vergasungen in Auschwitz getötet. Der Wettlauf war verloren.


Rudolf Guckelsbergers Lesung erhielt an dem Abend im Haus der Heimat einen musikalischen Rahmen. Mit Ilse Weber wurde an eine andere, bewegende Biografie aus Theresienstadt erinnert. Sie veröffentlichte schon mit 14 Jahren Gedichte und Märchen und schrieb auch als Kinderkrankenschwester im Ghetto weiter, vertonte auch selbst. Ihre „Lieder aus Theresienstadt“ sowie Werke weiterer Komponisten wurden von Markus Hadulla am Klavier und Elisabeth Auerbach, Gesang, interpretiert. Keine leichte Aufgabe, wie die Künstlerin nach der Veranstaltung zugab, aber ergreifend gelöst.

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