kabarettistische Lesung


28. November 2013

   


kabarettistische Lesung




Peter Grohmann las aus seiner politischen Biografie


"Alles Lüge außer ich"




 

„In der Dresdner Bombennacht verlor mein Teddybär seinen zweiten Arm“


Die Erlebnisse eines Kindes während der Luftangriffe auf Dresden 1945 – Bilderfetzen, die zusammen gesetzt zur Erinnerung werden. Peter Grohmann und Ebbe Kögel, die beiden führenden AnStifter Stuttgarts, gaben am 28. November ein nachdrückliches Beispiel dafür, wie sie sich wider das Vergessen engagieren.

Peter Grohmann, 1937 in Breslau geboren, einer der beiden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins der AnStifter, gehört zu Stuttgart wie Mercedes-Stern, Fernsehturm und VfB. Seine Stimme wird gehört, wenn kontroverse Themen wie das Hotel Silber oder Stuttgart 21 diskutiert werden, er mischt sich ein, wenn es um Bürgerrechte, Ökologie oder die Friedensbewegung geht. Im Haus der Heimat erfuhren die Besucher auch weniger Bekanntes aus seinem Leben.

Die Rollen waren festgelegt, und Ebbe Kögel definierte sie so: Er selbst diene als Stichwortgeber für Grohmann, der sich erzählend an Kindheit, Jugend und Ankunft im Schwäbischen erinnert, und er „hole ihn zurück“, wenn er zu weit abschweife. So entstand im lockeren Zwiegespräch, mit musikalischen Klavier-Zwischenspielen von Salvatore Panunzio, eine fast heitere Atmosphäre, in der Grohmann über durchaus auch schreckliche Zeiten sprach und Passagen aus seiner Biografie „Alles Lüge außer ich“ las.

Januar 1945, die Vertreibung, „die Wäsche hing noch auf der Leine“, der Teddybär durfte mit, der Kinderwagen war zu sperrig für den Lastwagen.

In Dresden erlebte Grohmann mit Mutter und Bruder die Luftangriffe von 1945, wurde verschüttet, eindringlich seine aus der Biografie gelesenen Erinnerungssplitter.

Dann die Rückkehr nach Breslau, der Junge erlebte eine ganze Stadt als „großen Abenteuerspielplatz“. Keine Schule, keine Autoritäten, die große Freiheit – auf der anderen Seite das Betteln um Lebensmittel bei besser Gestellten.

Die Ankunft im Schwäbischen, dort das Fremd- und Ausgeschlossensein als „Heide“ zwischen Erzkatholiken, die Rückkehr nach Dresden 1990 – viele Stationen des bewegten Lebens konnten an diesem Abend nur angerissen werden.

Die Zuhörer im Haus der Heimat wurden Zeugen von Grohmanns leidenschaftlicher „Lust am Herumstochern“, von seinen Versuchen, Puzzelstücke zu Bildern zusammen zu setzen, von seiner Arbeit mit Fragmenten.

Warum in der Vergangenheit herumkramen? Grohmann berichtete, wie sich die Mutter später dem Zurückschauen komplett verweigerte. Er selbst möchte sich als „Übriggebliebener“ mit dem Vergangenen auseinander setzen, möchte klären: Was ist Erlebtes, was nur aus Erzählungen Verinnerlichtes? Was wird aus der Distanz anders bewertet? Wie verändern sich mit dem Verlauf der Zeit die Perspektiven?

Grohmanns „Herumstochern“ machte neugierig, und Ebbe Kögel versicherte: „Er schreibt, wie er redet“. Die Nachfrage nach Exemplaren seiner Biografie war an diesem Abend groß.

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