Schulbesuch


Schulbesuch der Ausstellung „Innere Landschaften“ – Jugendprojekt „Rilke Reloaded“

„Stille“


„Stille!“ Die Sechstklässlerinnen der Rilke Realschule in Stuttgart Rot stehen vor einer Fotografie der Ausstellung „Innere Landschaften“, nach kurzer Diskussion haben sie sich auf diesen Begriff geeinigt. Carsten Eichenberger vom Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg hat ihrer Schulklasse eine Aufgabe gestellt, die die Gruppe damit gelöst hat: „Findet einen eigenen Titel für ein Bild, das euch gefällt.“

Die Freundinnen haben sich die Aufnahme der Gräber von Les Alyscamps in Arles ausgesucht. Jan Jindra, der Fotograf, zeigt im Vordergrund Reihen an Steinsarkophargen, im Hintergrund dunklen Wald. Kein Lebenszeichen ist identifizierbar, keine Geräuschquelle zu orten – „Stille“ kennzeichnet die Atmosphäre des Bilds völlig zutreffend, da stimmen auch die Mitschüler zu.

„Wenn ihr euch dieses Foto anschaut, euch überlegt, wie es wirkt, und das dann beschreibt, dann ist das so, als ob ihr ein Gedicht interpretiert.“ Diane Dingeldein vom Haus der Heimat begleitet die Klasse schon seit mehreren Wochen. Immer wieder besucht sie die Workshops, an denen die Schüler im Kinder- und Jugendhaus Zuffenhausen teilnehmen. Unter Anleitung von Teamern beschäftigen sich eine sechste und eine achte Klasse mit dem Dichter Rainer Maria Rilke – und zwar auf ihre ganz eigene Art. Rap, Tanz, Video und Graffiti, das sind ihre Ausdrucksformen, mit denen sie die Sprache des Dichters ins Heute übersetzen wollen.

Elpee, eine „Nummer“ der Stuttgarter Rap-Szene, lässt seine Kids im Workshop frei assoziieren, mit Wörtern spielen. Da wird aus der Figur im „Lied des Idioten“ ein Mobbing-Opfer mit krassen Lebenserfahrungen. Sandra Muller und Eva Natzke, die gemeinsam den Tanz-Workshop leiten, haben mit den Mädchen über Rilkes Schaffenskrise nach Beenden der „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ diskutiert. „Wie war das denn vor ein paar Jahren mit Amy Winehouse?“, überlegt die Gruppe. Ihren Tanz, der sich mit solchen Lebenserfahrungen von Künstlern auseinandersetzt, nennen sie „Krise“. Ein anderes Team dokumentiert die Arbeiten auf Video, die vierte Gruppe gestaltet per Spraydose Graffiti-Malerei.

Der Besuch der Ausstellung „Innere Landschaften – Rainer Maria und seine Welt in der Fotografie“ gehört wie die Workshops zum Programm des Projekts „Rilke Reloaded“. Gibt es Wege, über die sich Jugendliche von Lyrik ansprechen lassen? Wie können diese Wege aussehen? Diese und ähnliche Fragen kamen beim Planen der Ausstellung bei den Mitarbeitern des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg auf und mündeten in die Projektidee. Mit der Rilke Realschule und dem Kinder- und Jugendhaus Zuffenhausen fanden sie engagierte Partner. Welche Wege die Jugendlichen für sich gefunden haben, welche neuen Kunstformen sie selbst geschaffen haben, präsentieren sie auf Veranstaltungen sowohl im Haus der Heimat (leider bereits ausgebucht) als auch im Jugendhaus. Die Gäste dürfen sich auf Überraschungen einstellen…

Eine Begleitveranstaltung zur Ausstellung "Innere Landschaften"
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