Live-Hörspiel


5. Juni 2014


"Täglich 12 Stunden gearbeitet
und 24 Stunden gehungert"

Live-Hörspiel nach Gerhart Hauptmanns
Drama "Die Weber"


Von den schlesischen Webern
bis zu den asiatischen Textilarbeiterinnen

„am Montag aßen wir wenig – am Dienstag aßen wir nicht“


Ein Live-Hörspiel im Haus der Heimat erinnert daran: Die Situation der Weber im Schlesien des frühindustriellen 19. Jahrhundert war schlicht katastrophal. Den heutigen Textilarbeiterinnen in Südostasien geht es nicht besser.

Gerhart Hauptmanns Drama „Die Weber“, das sich mit dem schlesischen Weberaufstand von 1844 beschäftigt, sorgte nach seiner Entstehung in den 1890er Jahren für politischen Wirbel. Ein Aufführungsverbot wurde erlassen – die Brisanz der Sozialkritik scheint zeitlos zu sein.

So sieht es auch Erika Baumann, die Hauptmanns Werk zu einer akustischen Collage inspirierte. Gemeinsam mit Studierenden der Musikhochschule Stuttgart inszenierte die Dozentin für Sprechkunst einen Abend, der aus vielen ganz unterschiedlichen Text-Bausteinen ein berührendes „Live-Hörspiel“ zusammensetzte und den Bogen vom Weberaufstand bis zur heutigen Ausbeutung der Textilarbeiterinnen schlug.

Dokumentarische Fragmente informierten über die historischen Hintergründe, Georg Weerths „Hungerlied“ zeichnete das Elend knapp und drastisch, bevor die Studierenden Maren Ullrich, Philipp Fahrenbruch und André Holonics Auszüge aus Hauptmanns Drama szenisch lasen. Hauptmanns detaillierte Bühnenanweisungen und Personenbeschreibungen genügten, um das Kopfkino zu starten: Der Zynismus von Fabrikant und Expedient, die Verzweiflung der Arbeiter, die zunehmende Wut und der wachsende Widerstand – es bedurfte keines Bühnenbilds, keiner Requisiten, um diese Emotionen zu transportieren. Es genügten die bewegend gesprochenen Worte.

Durch Hauptmanns Drama zieht sich das verbotene Weberlied, das immer wieder angestimmt wird. Jede Revolution hat ihre Lieder – Erika Baumann setzte in ihrem Live-Hörspiel auch auf die Wirkung der Musik. Es waren Höhepunkte des Abends, als die Vertonung von Heinrich Heines „Weberlied“ oder „Brot und Rosen“, ein US-amerikanisches Lied der Textilarbeiterinnen von 1912, die Anklagen in Form von Melodien formulierten. Auch Thilo Brucks Gitarrenspiel trug dazu bei, dass das Live-Hörspiel ein facetten- und abwechslungsreiches Zusammenspiel vielstimmiger Facetten wurde.


Am Ende stand die nüchterne Nachrichtenmeldung und Berichterstattung aus den Krisengebieten: In Bangladesch und Ägypten erinnern die Proteste der Textilarbeiterinnen fatal an die europäischen Aufstände des 19. Jahrhunderts. In Gerhart Hauptmanns Worten an den Fabrikbesitzer: „Herr Dreißiger, es wird ernst!“


"Worte sind Taten -
Zivilgesellschaftliches Engagement in der Literatur"
Im Rahmen des
Literatursommers Baden-Württemberg.
 
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