Literarisch-musikalische Lesung


16. Juli 2014

LITERARISCH-MUSIKALISCHE LESUNG

FRAUEN IM NS-WIDERSTAND

„Hinter einem großen Mann…“

„…steht eine starke Frau“. Dorothea Baltzer, musikalisch begleitet von Heike Rügert, zeigte auf ihrer Veranstaltung im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg an drei Beispielen, dass diese sprichwörtlich gewordene Phrase zutreffen kann.

Freya von Moltke
„Sie haben Herz und Sinne bei mir entwickelt“, schrieb Helmuth James an Freya nach ihrem ersten gemeinsamen Sommer. Als eine Frau, „zugewandt – den Menschen und dem Leben“, beschreibt Dorothea Baltzer ihr eigenes Bild der Freya von Moltke, das sich während der Vorbereitung des Abends immer deutlicher vor ihr abzeichnete. In einer Mischung aus Lesung des Briefwechsels zwischen den Eheleuten und eigenen Reflexionen brachte die Schauspielerin ihrem Publikum das Porträt der beeindruckenden Frau nahe. Der gedankliche Austausch mit dem „lieben Pim“, wie er seine Ehepartnerin in den Briefen anredete, wurde für den inhaftierten Helmuth James von Moltke zur „Nabelschnur“, die ihn am Leben hielt.

Maria von Wedemeyer
Bei Maria Wedemeyer ließ Dorothea Baltzer den Briefwechsel mit ihrem Verlobten Dietrich Bonhoeffer unkommentiert für sich sprechen. Das Paar hatte keine gemeinsame Zukunft. Maria blieben ihre Träume, vom „Himbeeren klauen im Garten“, von gemeinsamen Ausritten, „wenn wir später einmal zusammen sind“. Wedemeyers und Bonhoeffers Zwiesprache, per Post und während der seltenen Sprecherlaubnis, wertete Baltzer als ein Beispiel für die immensen persönlichen Einschränkungen, den Verlust jeglicher Perspektive, die der Widerstand gegen das Regime bedeutete.

Liselotte Herrmann
Nur knapp umriss Dorothea Baltzer das kurze Leben der Widerstandskämpferin Liselotte Herrmann. Die überzeugte Kommunistin wurde als junge Mutter von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt. Nachdem sie wegen „kommunistischer Betätigung“ in Berlin von der Universität verwiesen worden war, arbeitete Herrmann in Stuttgart offiziell als Stenotypistin, inoffiziell im NS-Widerstand um die KPD.

Heike Rügert umrahmte mit Klarinette, Bassklarinette und Sopran-Saxofon ausdrucksvoll und zog den musikalischen Bogen von Carl Philipp Emanuel Bach bis zu Gershwins „Porgy and Bess“.

Nach Baltzers Vortrag bestand bei einem Teil des Publikums großer Gesprächsbedarf – viele Themen waren angesprochen worden, die eine tiefere, weiterführende Auseinandersetzung wert waren. Der biografische Einblick in die Beziehungen der „Frauen im NS-Widerstand“ hatte Anregungen gegeben, sich intensiver mit deren Lebenswegen zu befassen.



Dorothea Baltzer ist seit vielen Jahren Mitglied des Ensembles des Theaters tri-bühne, arbeitet als Sprecherin für ARTE und das SWR-Fernsehen und veranstaltet Lesungen.
Heike Rügert hat als freischaffende Musikerin Engagements in zahlreichen Theatern und spielt in verschiedenen Bands.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes "Mutig! Frauen und Männer im Imkreis des 20. Juli 1944".
Logo

Powered by CMSimple | Template by CMSimple |