Lesung


24. September 2014



Lesung
mit Foto-, Film- und
Tondokumenten




Johannes Urzidil:

„Ich bin ‚hinternational‘“


Johannes Urzidil 1952
im Studio des Senders
Voice of America
(© Leo Baeck Institute, New York)
Johannes Urzidil (1896-1970), Sohn einer deutsch-tschechisch-jüdischen Familie, war der jüngste Dichter des berühmten „Prager Kreises“ um Franz Kafka und Franz Werfel. Er arbeitete als Übersetzer für die Deutsche Botschaft und als Korrespondent für die Presse. Nach Hitlers Machtübernahme musste er als „Nichtarier“ beides einstellen und emigrierte 1941 schließlich nach New York. Später nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Urzidil kennen!

„Warum ist Johannes Urzidil eigentlich so wenig bekannt?“ Die verwunderte Frage einer Besucherin am Ende der Veranstaltung im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg ist nach der Präsentation Urzidils beeindruckender Persönlichkeit absolut nachvollziehbar.

Vera Schneider und Klaus Johann möchten das ändern. Ihr zugleich informatives als auch unterhaltsames Urzidil-Lesebuch, publiziert vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, kann ein Gutteil dazu beitragen, den „gelehrtesten aller Prager deutschen Schriftsteller“ einem breiteren Publikum vorzustellen. Sie präsentierten es auf ihrer gemeinsamen Lesung mit Gerhard Trapp, der als Philologe über Urzidil geforscht hat und einen Briefwechsel mit ihm unterhielt.

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Johannes Urzidil (1896 – 1970) lebte als Deutscher in Prag, sein Vater war überzeugt deutschnational, seine Stiefmutter eine glühend-patriotische Tschechin; als 6jähriger schlug Johannes seinen Vater im Schachspiel und raubauzte zugleich als frecher Gassenjunge; er wurde als Katholik erzogen, heiratete eine Jüdin und trat einer Freimaurer-Loge bei; er arbeitete als Journalist und Kunsthandwerker, schrieb expressionistische Lyrik und Essays über Goethe oder tschechische Kunst.

Johannes Urzidil - seine Persönlichkeit und sein Lebensweg - steht „hinter“ solchen scheinbaren Widersprüchen. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Prag floh er mit seiner Frau Gertrude zunächst nach England, später in die USA, nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an. „Ich bin hinternational“, schrieb Urzidil, denn „Hinter den Nationen – nicht über- oder unterhalb – ließ sich leben.“

Ungemein lebendig leiteten Schneider, Johann und Trapp die Zuhörer im Haus der Heimat durch die Biografie des Denkers und Schreibers. Dazu trugen die Originalaufnahmen von Urzidils Radio-Aufnahmen bei, ebenso die Lesung Trapps aus seinem eigenen Briefwechsel. Wer Urzidil tiefer kennen lernen möchte, den erwartet nicht nur das Lesebuch, sondern auch die von Schneider und Johann gepflegte Homepage www.urzidil.de.

Vera Schneider promovierte zur Prager deutschen Literatur. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Kulturforum östliches Europa.
Klaus Johann studierte Deutsche Philologie, Philosophie, Kath. Theologie, Geschichte und Pädagogik. Zurzeit bereitet er eine Urzidil-Werkausgabe vor.
Gerhard Trapp promovierte zum Werk von Johannes Urzidil und veröffentlichte zahlreiche Publikationen über ihn. Er nahm unterschiedliche Funktionen am Goethe-Institut wahr.

Kooperationspartner der Veranstaltung war
das Deutsche Kulturforum östliches Europa.


Eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes "verehrt - verfemt - vergessen".
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