Ausstellung "Die Pathetiker"


11. November 2014 bis 25. März 2015


AUSSTELLUNG

DIE PATHETIKER

Druckgrafik von Ludwig Meidner,
Jakob Steinhardt und Richard Janthur






Abbildung: Richard Janthur, Illustration aus: Daniel Defoe, Robinson Crusoe. Das Leben und die ganz ungemeinen Begebenheiten des weltberühmten Engelländers (erschienen 1922 im Insel Verlag, Leipzig, mit 31 Farblithografien von Richard Janthur). Foto: Jüdisches Museum Frankfurt © bei den Nachfahren des Künstlers

Anfang November 1912 wurde in Herwarth Waldens berühmter Galerie Der Sturm eine Ausstellung der neugegründeten Künstlergruppe die Pathetiker eröffnet. Die Präsentation sollte die einzige Gruppenausstellung der Pathetiker bleiben und umfasste 32 Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen und Druckgrafiken. Die Ausstellung wurde auch in Breslau und Hamburg gezeigt und „fand dort ebenfalls begeisterte Ablehnung" beim Publikum. Dennoch brachte sie den künstlerischen Durchbruch für Ludwig Meidner und Jakob Steinhardt. Während Richard Janthur heute nur noch den Spezialisten für Buchkunst geläufig ist, zählen Meidner und Steinhardt zu den bekanntesten jüdischen Künstlern des deutschen Expressionismus.

Der 1884 in Schlesien geborene Ludwig Meidner wurde nach 1912 als Maler apokalyptischer Motive berühmt, die später als Vorahnung des Ersten Weltkrieges interpretiert wurden. Jakob Steinhardt, 1887 in der Nähe von Posen geboren, machte der sich vor allem als Grafiker einen Namen. Er prägte seit 1947 als Dozent und später als Leiter der Bezalel-Kunstakademie in Jerusalem eine ganze Generation israelischer Künstler.

Das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg präsentiert eine Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt, die mit Druckgrafik von Ludwig Meidner, Jakob Stein-hardt und Richard Janthur an die Pathetiker-Ausstellung des Jahres 1912 erinnert.




               

Literatur zu den Pathetikern, ihrem expressionistischen Umfeld sowie der Breslauer Akademie finden Sie in der Bibliothek des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg.

10. November 2014


Ausstellungseröffnung „Die Pathetiker“

Begrüßung Carsten Eichenberger
Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg
Einführung Erik Riedel
Kurator Ludwig Meidner-Archiv
Jüdisches Museum Frankfurt/Main
Musik Sergej Prokofiev
Aus den „Visions fugitives” op. 22
Sonate a-Moll op. 28
Alexander Reitenbach, Klavier
  Alexander Reitenbach, in Tiflis geboren, studierte in Stuttgart und Karlsruhe. Er war Gast bei diversen Klavierfestivals und Orchestern in Europa und Asien. 2015 ist er eingeladen, bei einer Produktion des Stuttgarter Balletts mit dem Staatsorchester Stuttgart mitzuwirken.

„Kerls, die was können, was denken und was sind“

Nicht jede Resonanz auf die Künstlergruppe „Die Pathetiker“ war so begeistert wie die von Kurt Hiller, dem Pionier des literarischen Expressionismus. Für die linksprogressive „Aktion“ schrieb er nach der Ausstellung von Ludwig Meidner, Jakob Steinhardt und Richard Janthur in Herward Waldens Galerie „Der Sturm“ Ende des Jahres 1912 eine Besprechung voll des Lobes für die drei jungen Künstler. Das „Dresdner Salonblatt“ publizierte dagegen einen polemischen Verriss – der Rest der Presse schwieg sich aus.

  in dieser Galerie

 

Alexander Reitenbach interpretierte Prokofievs
„Visions fugitives“ und die Sonate a-Moll op. 28.

 

Der Kurator Erik Riedel vom Ludwig Meidner-Archiv
führte in die Ausstellung ein.

 

Ein Blick in die Ausstellung

Erik Riedel, Kurator der Ausstellung „Die Pathetiker“ des Jüdischen Museums Frankfurt/Main, erklärte dem Publikum der Vernissage im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, woher Hillers Begeisterung kam. Die Arbeiten der Pathetiker standen dessen Kunstauffassung sehr nahe: Ins Zentrum ihres Schaffens stellten sie konsequent das Subjekt und seine Gefühlswelt, beschäftigten sich mit Extremsituationen des Innenlebens. Hiller bewunderte speziell Ludwig Meidner als einen „leidend Gestaltenden“. Alle „Pathetiker“ standen der Literatur sehr nahe, illustrierten beispielsweise Bücher – Riedel sieht in dieser Orientierung ihre einzigartige Stellung als Künstlergruppe.
Der Großteil der damaligen Kunstkritik konnte mit dieser Bildsprache, ihrer Dynamisierung, nichts anfangen.

Die Pathetiker trennten sich bald. Von ihrer Ausstellung liegt nur eine äußerst lückenhafte Überlieferung vor. Erik Riedel betonte, dass die Werke im Haus der Heimat deshalb keine Rekonstruktion der originalen Schau gestalten können. Sie möchten an die drei Künstler erinnern, die alle aus der Provinz nach Berlin zogen, um den „Anbruch einer neuen Zeit“ hautnah mitzuerleben, und mit den eigenen Werken die Kunstwelt umzukrempeln.

Die erste Monografie über Ludwig Meidner erschien in den 1960er-Jahren, mittlerweile zählt er zu den bekanntesten jüdischen Expressionisten. Jakob Steinhardt wirkte in Israel und galt in Deutschland lange als vergessen. Über Richard Janthurs künstlerischen Weg nach 1912 ist bis heute wenig bekannt.


Begleitveranstaltungen im Rahmen der Ausstellung:


Eine Ausstellung im Rahmen des Projektes "verehrt - verfemt - vergessen".
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