Schulprojekt


20. Januar 2015



Let’s „Play Luther“!

Lukas und Till, Schlagzeug und Piano, als Zugabe eine Menge an Dreiecken aus Holz – das genügt: Let’s „Play Luther“!



Am Ende des „musikalischen Theaterstücks“ ist aus Luthers Worten, seinen Liedern, seinen Thesen, seinem Lebenswerk auf der Bühne ein runder, in sich abgeschlossener „Dom“ aus Holz-Dreiecken gewachsen. Die erste Frage aus dem jugendlichen Publikum zielt auf ihn ab: Der Religionskurs des Mörike-Gymnasiums möchte wissen, was Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach mit der Installation ausdrücken möchten. Die beiden Schauspieler erklären die Symbolik der Dreifaltigkeit und die Vieldeutigkeit der Elemente, die sich am Ende gegenseitig stützen, aufeinander aufbauen, und sich harmonisch zum Ganzen fügen.

Vorher haben die beiden die Oberstufenschüler temporeich an das „gesamtkonfessionelle Problem“ Martin Luther herangeführt. Ein Streitgespräch zwischen einem Katholiken und einem Protestanten eröffnet die Szenenreihe. Stationen aus Luthers Leben folgen: seine harte Kindheit voller Strafandrohungen und Brutalität; sein Entschluss, Mönch zu werden; die Entscheidung, Theologie zu studieren und, ganz zentral, das Turmerlebnis. Die Meditation über einen Bibelvers führt Luther zur Erkenntnis, Gottes Gerechtigkeit existiere sola gratia – allein aus Gnade. Drastisch inszenieren Ullrich und Beyerbach das Ende von Luthers zwanghafter „psychosomatischer Verstopfung“, die Befreiung, die er durch diese Erleuchtung erlebte.

Sie führte letztlich zu einer neuen Bibelauslegung, zu revolutionären Ideen: Für Gottes Gerechtigkeit ist keine Eigenleistung notwendig – damit wurde der gesamte kirchliche Machtapparat mit seinen Werkzeugen wie Ablass- und Reliquienhandel in Frage gestellt.

„Play Luther“ wirft viele unterschiedliche Schlaglichter auf Luthers Leben und Wirken, es kann und will viele Fragestellungen nur anreißen. Dazu gehört Luthers Auseinandersetzung mit Thomas Münzer, dazu gehören die juden- und islamfeindlichen Äußerungen seiner späteren Lebensjahre. Der historische Hintergrund wird skizziert, ein Bezug zu Jan Hus und dem Siebenbürger Johannes Honterus hergestellt. Wie die Schauspieler im Gespräch mit den Schülern nach der Vorstellung sagen, trägt ihr Stück nicht zur „Heiligenverehrung“ bei, sondern zum Neugierigmachen auf eine Persönlichkeit, die zugleich kritischer Denker, Sprachgenie, geistiger Führer, Komponist und streitbarer Geist war.

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