Szenische Lesung


29. Januar 2015

Szenische Lesung


„Sehnsucht nach dem Anderswo -
die Poesie der Mascha Kaléko“


mit der Schauspielerin Jutta Menzel






Abbildung: © DLA Marbach

Mascha Kaléko, Lyrikerin in der Tradition Heinrich Heines und Kurt Tucholskys, ist eine Meisterin der einfachen Worte. Die großen und die kleinen Katastrophen des Alltags beschreibt sie mit Ironie und Witz, voller Anmut und Keckheit.

Als Tochter jüdischer Eltern 1907 in Galizien geboren, fand sie im Berlin der 1920er-Jahre Anschluss an die literarische Boheme. 1933 feierte sie mit dem „Lyrischen Stenogrammheft“ ihren ersten großen Erfolg. Das Publikum schätzte ihre treffsicheren Verse wegen ihrer liebenswerten Schnoddrigkeit und der ihnen innewohnenden „aufgeräumten Melancholie“.
1938 emigrierte Mascha Kaléko in die USA, 1960 übersiedelte sie nach Israel. Sie starb im Januar 1975 in Zürich.

Die Schauspielerin Jutta Menzel stellt in ihrer szenischen Lesung den Lebensweg der „spöttischen Nachtigall“ vor und rezitiert aus der „Gebrauchslyrik“, wie Mascha Kaléko selbst ihre Verse bezeichnete.


Mascha Kalékos Lyrik bedarf keiner Interpretation. Ihre Sprache ist direkt, sie benennt die Dinge glasklar bei ihrem Namen - und erreicht so unmittelbar auch heute noch ihr Publikum.

„Sie schrieb, wie ihr der Schnabel gewachsen war“, so ein Kommentar des Literaturpapstes Reich-Ranicki zum Dichten von Mascha Kaléko. Die Liste ihrer Bewunderer ist lang, Thomas Mann, Hermann Hesse und Martin Heidegger stehen darauf. Jutta Menzel führte in ihrer szenischen Lesung durch das Leben einer bemerkenswerten Frau, die sich „in keine Schublade“ stecken lässt.


Menzels Melange aus Erzählung und Rezitation begann mit Kalékos Blick zurück auf die eigene Geburt. Das Auf-die-Welt-kommen bezeichnete sie als das Verlassen des „provisorischen Domizils“ Mutterleib. Die „provisorischen Domizile“ sollten in der Folge ihr gesamtes Leben durchziehen.

Mit fünf Jahren startete Kaléko die ersten Fluchtversuche aus ihrem kleinen dörflichen Kosmos in Galizien, aber die Ausreißerin wurde immer wieder zurückgeholt. Später zog die Familie nach Frankfurt, nach Marburg, und schließlich nach Berlin, wo Mascha ihre Heimat fand: den Berliner Dialekt, die schnoddrige Schnauze, die freche Klappe.

Sie war „jung, charmant und hübsch“ – für Jutta Menzel spielten auch solche Faktoren beim ersten, überwältigenden Erfolg des „Lyrischen Stenogrammhefts“ in der Berliner Literaturszene eine Rolle. Die „Janusköpfigkeit“ der Gedichte sprach ein großes Publikum an: lyrisch und zugleich satirisch, witzig und melancholisch, lebenslustig und traurig, in einer Sprache, die lachen lässt und nachdenklich macht.

1937 beendete das Veröffentlichungsverbot der Nationalsozialisten Kalékos Erfolg. Mit Ehemann und Sohn flüchtete sie schließlich ins amerikanische Exil. In den USA wurde die Dichterin nicht heimisch. Schnell erlernte sie zwar die Sprache, finanzierte mit Werbetexten den Lebensunterhalt der Familie und managte das praktische Leben. Aber ihre Gedichte aus der Zeit sprechen von Sehnsucht nach dem Verlorenen, sie träumen vom „Märkischen Sand“ und Kiefernwäldern. Das „take it easy“ gelang ihr nicht, das „auf die leichte Schulter nehmen“ entpuppte sich als viel zu „schwer“.

1956 feierte Kaléko in Deutschland mit der Neuauflage des „Lyrischen Stenogrammhefts“ bei Rowohlt ein regelrechtes Come-back. Ihrem Mann zuliebe wanderte sie nach Israel aus. Aber auch dort fühlte sie sich nie zuhause.

Der enorme Andrang im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg zeigte, wie groß auch heute noch das Interesse an Kalékos Werk ist. Jutta Menzels Abend bestätigte, dass diese Beachtung zurecht besteht.

 


Eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes "verehrt - verfemt - vergessen".
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