Literarisches Konzert


Mittwoch, 25. März 2015, 18 Uhr, Großer Saal

Literarisches Konzert

Finissage zur Ausstellung „Die Pathetiker“


„musica non grata“

mit dem Ensemble Pegasos


Abbildung: Erwin Schulhoff und die Choreografin Milča Mayerová, 1931

Das Ensemble Pegasos gestaltet gemeinsam mit Annegret Müller als Sprecherin die musikalisch-literarische Finissage zur Ausstellung Die Pathetiker. Das Quartett interpretiert Werke von Komponisten, die während des Nationalsozialismus ermordet, verfolgt oder ins Exil gezwungen wurden. Annegret Müller liest Texte, die das unerträgliche Künstlerleben in der damaligen Zeit vor Augen führen.

Im Jahr 1932 vertonte der Prager Komponist Erwin Schulhoff (1894 – 1942) das Manifest der Kommunistischen Partei. Er galt als einer der experimentierfreudigsten Vertreter der Neuen Musik und beschäftigte sich intensiv mit Jazz. Die Nationalsozialisten klassifizierten seine Werke als „entartet“. 1942 starb er im Internierungslager Wülzburg/Bayern.

Hans Krása (1899 –1944), Sohn einer deutsch-jüdischen Familie, studierte in Prag bei Alexander von Zemlinsky. 1942 deportierten ihn die Nationalsozialisten in das KZ Theresienstadt. Dort wurde seine Kinderoper „Brundibar“ über 50 Mal aufgeführt. 1944 wurde Krása in Auschwitz ermordet.

Das Ensemble Pegasos führt zudem Werke von Gideon Klein und Darius Milhaud auf. Annegret Müller liest u. a. aus dem Briefwechsel zwischen Joseph Roth und Stefan Zweig sowie aus Gregor von Rezzoris provokativen „Memoiren eines Antisemiten“.


 
Ensemble Pegasos

Andreas Ritzinger - 1. Violine
Dorothea Knell - 2. Violine
Benjamin Hartung - Viola
Theo Bross - Violoncello
  Prof. Annegret Müller, Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Stuttgart


Klänge und Worte aus einer „bestialischen“ Welt

Die musikalisch-literarische Finissage „Musica non grata“ beendete die Ausstellung der Druckgrafiken der „Pathetiker“

Joseph Roth beklagt die „Stumpfheit der Welt“, spricht von einer „kranken und verworrenen Umgebung“. Er schreibt Briefe an seinen Freund Stefan Zweig, in denen er ihn nach eigenen Worten „missbraucht“ – missbraucht, um selbst überleben zu können. Denn die Gedanken des in der Emigration lebenden Literaten kreisen statt um seine Romanfiguren um die Frage, wie er seine Schulden begleichen, seiner Familie schlicht das Essen bezahlen kann.



Gregor von Rezzori seziert die tägliche, mehr oder weniger latente Judenfeindlichkeit der Zeit seiner eigenen Jugend. Aus der Perspektive eines fiktiven „Antisemiten“, gleichwohl in der Ich-Form, beschreibt er scheinbar distanziert seine Beobachtungen in einem kleinen Karpatendorf, in dem es als Höchstleistung der Menschlichkeit sogar (!) vorkam, dass man einem Juden die Hand schüttelte.

Caro Mendelski las Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen Joseph Roth und Stefan Zweig sowie aus Gregor von Rezzoris „Denkwürdigkeiten eines Antisemiten“. Unterschiedlicher hätten die Texte, die das Konzert des Ensembles Pegasos gliederten, kaum sein können.

Erwin Schulhoff starb mit 48 Jahren in einem Internierungslager in Weißenburg/Bayern, Hans Krása wurde 45jährig in Auschwitz ermordet. Die Werke der beiden Komponisten, die das Ensemble Pegasos spielte, zeigen es wieder: Es bleibt unfassbar, welches künstlerische Potenzial von den Nationalsozialisten ausgelöscht wurde.

Mit dem Abend beendete das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg seine Veranstaltungsreihe „Verehrt – Verfemt – Vergessen“. Die Liste der von den Nationalsozialisten verfolgten, ins Exil getriebenen, getöteten Künstler ist grauenvoll lang. Das Projekt konnte nicht mehr als einzelne Schlaglichter setzen.


Eine Begleitveranstaltung zur Ausstellung "Die Pathetiker" im Rahmen des Projektes "verehrt - verfemt - vergessen".
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