Lesung


21. Oktober 2015


Szenische Lesung


Hannah Arendt –
„Ich will verstehen“

vorgestellt von der Badischen Landesbühne Bruchsal

Abbildung: © Ricarda Schwerin

Mit gerade einmal zweiundzwanzig Jahren errang sie den Doktorgrad in Philosophie. Hannah Arendt, 1906 in Linden bei Hannover in einem jüdischen Elternhaus geboren und in Königsberg aufgewachsen, war eine der großen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten engagierte sie sich für die zionistische Bewegung und gewährte politisch Verfolgten Zuflucht in ihrer Wohnung. Immer wieder beeindruckte sie durch ihre Zivilcourage. Nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo und acht Tagen Haft im Jahre 1933 ging Hannah Arendt ins Exil, zunächst nach Paris, später in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Als Reporterin nahm sie an den Prozessen gegen Adolf Eichmann teil und schrieb einen „Bericht von der Banalität des Bösen“ darüber. Die Reaktionen darauf waren höchst kontrovers. Ihr Buch über den Totalitarismus aus dem Jahr 1951 ist ein Standardwerk der Politischen Theorie.

Die Schauspieler Evelyn Nagel und René Laier von der Badischen Landesbühne Bruchsal gastierten mit der Inszenierung von Stefan Holm erstmals in Stuttgart.


Ein „entschieden unabhängiger Geist“

1962 wird Hannah Arendt bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Ihre Wahrnehmung: „Ich hatte es selbst in der Hand zu entscheiden, ob ich leben oder sterben wolle.“ In dieser Situation lässt sie ihr Leben Revue passieren…

Diese Szenerie nahmen Cornelia Heilmann und Stefan Holm von der Badischen Landesbühne Bruchsal als Ausgangspunkt für eine konzentriert-kompakte Einführung in das Denken und Wirken von Hannah Arendt.

Der autobiografische Rückblick begann mit der Kindheit eines hochbegabten Mädchens, das früh lernt, sich zur Wehr zu setzen: Antisemitische Bemerkungen in der Schule wurden auf keinen Fall geduldet – mit elterlicher Erlaubnis durfte Hannah sofort den Unterricht verlassen, eine schriftliche Beschwerde folgte. So erlebte sie ihre Identität als Jüdin als von der Umwelt geschaffen, denn: „Ich habe von Haus aus nicht gewusst, dass ich Jüdin bin.“

Martin Heidegger wurde zur prägenden Figur in Arendts Jugend. Sie studierte in Marburg bei dem „Rebell unter den Dozenten“ und war fasziniert: „Das Denken ist wieder lebendig geworden.“ Als er sich, wie viele Intellektuelle um Arendt, zur Ideologie des Nationalsozialismus bekannte, 1933 Mitglied der NSDAP wurde, war Arendt fassungslos von dem freiwilligen Sich-Gleichschalten-Lassen. Damals entwickelte sie nach eigener Einschätzung ihr politisches Bewusstsein, las Marx, Lenin und Trotzki.

1933 emigrierte Arendt. Sie hatte verfolgten Kommunisten Unterschlupf gewährt, war verhaftet worden, konnte schließlich entkommen und floh illegal über die deutsche Staatsgrenze. 1951 erhielt sie letztendlich die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Hannah Arendts Beschäftigung und Auseinandersetzung mit dem Zionismus, ihr wichtiger Beitrag zur Totalitarismus-Forschung, die Anfeindungen nach ihrer Berichterstattung über den Prozess gegen Adolf Eichmann – in der Lesung der beiden Schauspieler wurden noch viele Aspekte aus dem Leben und Werk Hannah Arendts angesprochen. Sie stellten eine mutige, unabhängige Frau vor, die als kluge Denkerin die Welt verstehen wollte, wobei Verstehen für sie hieß. „unvoreingenommen der Wahrheit ins Gesicht sehen - und ihr widerstehen.“


Eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes "FrauenLeben".
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