Jahresabschlusskonzert


10. Dezember 2015




Literarisches Konzert


„Abschied ist ein Apfelwort“

(Herta Müller)

mit
Annegret Müller
und dem
Ensemble Pegasos

Komposition ist eine Männer-Domäne. Die wenigen Frauen, die sich in dieser Kunst behauptet haben, sind Ausnahmepersönlichkeiten. Das Ensemble Pegasos interpretiert in der Besetzung Klavier, Violine und Violoncello Werke von Komponistinnen, die Bezug zu Regionen im östlichen Europa haben. Die musikalische Zeitreise beginnt bei Fanny Mendelssohn und Clara Schumann, führt zu Ella Adaïewsky und Alma Mahler-Werfel und endet bei den Zeitgenossinnen Sofia Gubaidulina und Violeta Dinescu.

Das Konzert wird literarisch umrahmt von Texten ost-europäischer Schriftstellerinnen, die eine wichtige Erfahrung eint: Sie alle kennen sich aus mit dem Abschiednehmen. Herta Müller reist aus, Melinda Nadj Abonji reist zurück, Lou Andreas-Salomé ist dauerhaft auf Reisen. Annegret Müller von der Musikhochschule Stuttgart liest aus ihren Werken, in denen sie die Suche nach Heimat verarbeiten und an die kleinen und großen Dinge erinnern, die für sie Heimat ausmachen.

Für sie alle, Literatinnen und Musikerinnen, kann Clara Schumann sprechen:

„Meine Kunst ist mir die Luft, in der ich atme.“

Annegret Müller
Professorin für Sprechkunst
an der Hochschule für Musik und
Darstellende Kunst, Stuttgart
Sanae Zanane
Klavier

Roland Heuer
Violine
Theo Bross
Violoncello



Texte Herta Müller: © Carl Hanser Verlag München

„Abschied ist ein Apfelwort“ - Poetische Reisen

Mit einem höchst poetischen Abend verabschiedete das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg das Jahr 2015.

Ivana Lang, Grażyna Bacewicz, Maria Szymanowska und Ella Schultz-Adaïewsky: diese Namen findet man höchst selten auf den Programmzetteln von Kammermusik-Veranstaltungen. Das Ensemble Pegasos stellte während des Jahresabschlusskonzerts diese osteuropäischen Komponistinnen mit Werken für Klavier (Sanae Zanane), Geige (Roland Heuer) und Cello (Theo Bross) vor. Auch wenn es den Musikerinnen, aus welchen Gründen auch immer, nicht gelungen ist, sich in die Liste der ganz großen Namen einzuschreiben – sie haben sich als Künstlerinnen in einer männerdominierten Domäne mit ihrem Schaffen behauptet, sind ihre eigenen Wege gegangen. Dass dies auch für die musikalische Handschrift gilt, zeigte etwa das Präludium für Cello von Sofia Gubaidulina.

Zwischen den zum Großteil von der Romantik geprägten Kompositionen las Annegret Müller Texte von Herta Müller, Melinda Nadj Abonji und Lou Andreas-Salomé.

  in dieser Galerie

 

Roland Heuer, Violine

 

Sanae Zanane, Klavier

 

Theo Bross, Violoncello

 

Annegret Müller, Sprecherin


Die besorgte mütterliche Frage „Hast Du ein Taschentuch?“ entwickelt sich während Herta Müllers Zeitreise durch die eigenen Erinnerungen zum Synonym für die Frage nach der „akuten Einsamkeit“ des Menschen. Nadj Abonji erzählt in „Tauben fliegen auf“ vom Ankommen an altbekanntem Ort zu neuer Zeit, von der kindlichen Sorge, ob sich irgendetwas verändert hat, von der elterlichen Verzweiflung darüber, dass sich nichts verändert hat. Lou Andreas-Salomé beschreibt ihr „Russland mit Rainer“ als intensives Erleben der Landschaft, der Stadt Moskau. Durch alle Texte zieht sich ein sehnsuchtsvoller Ton, der den Jahresabschluss sehr lyrisch ausklingen lies.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes "FrauenLeben".
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