Vortrag


11. Mai 2016

Breslau/Wrocław - Kulturhauptstadt 2016


Vortrag

Breslau/Wrocław -
Ein architekturgeschichtlicher Rundgang

mit dem Kunsthistoriker Arne Franke

Die Architektur Breslaus/Wrocławs spiegelt bis heute das wechselhafte Schicksal der schlesischen Metropole wider. Arne Frankes virtueller Spaziergang illustriert ihre Geschichte mit historischem und aktuellem Bildmaterial.

Sein Streifzug beginnt bei den mittelalterlichen Siedlungskernen Dominsel und Ring/Rynek, wo Gotteshäuser, gotisches Rathaus und Patrizierhäuser von international anerkanntem Format sind. Er führt weiter über das barocke Universitätsgebäude und die Synagoge „Zum weißen Storch“ bis zum UNESCO-Weltkulturerbe der Jahrhunderthalle/Hala Stulecia. Auch die Musterhaussiedlung des Deutschen Werkbundes von 1929 wird besichtigt. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf die Adelssitze im Umkreis der Kulturhauptstadt.

Arne Franke, Kunsthistoriker, Honorardozent u.a. für die Freie Universität Berlin und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, freiberuflicher Autor und Kurator


Denkmalschutz ist ein Politikum

Arne Franke weiß über Breslau mehr zu erzählen als der Großteil der Touristenführer vor Ort. Das liegt zum einen an seinem schier endlosen kunsthistorischen Wissensfundus. Er kennt die Rekonstruktionszeichnungen der piastischen Burganlage, die das spätmittelalterliche sakrale Herzstück der Stadt war. Er verweist auf die zahllosen baugeschichtlichen Besonderheiten der Kathedrale, er weiß, was die Elisabethkirche in Marburg/Lahn mit der Breslauer Kreuzkirche verbindet, kennt die Biografien der Baumeister und Architekten…. die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Das liegt zum anderen an seiner langjährigen Arbeit in der Denkmalpflege. Sein Blick auf die Stadtentwicklung ist ein spezieller und sein Vortrag immer dann besonders spannend, wenn er die politischen Dimensionen der architektonischen Eingriffe in die Stadtgeschichte verdeutlicht. Warum wurde, noch vor der politischen Wende im zwanzigsten Jahrhundert, die Backsteingotik an der Mauer der Hochschule freigelegt? Um die piastischen, also polnischen Wurzeln der Stadt zu betonen. Warum wurde die Ruine von Teilen des Stadtschlosses, ab 1750 Residenz von Friedrich II., nicht wieder aufgebaut, sondern nach langen Diskussionen abgerissen? Weil dem preußischen Breslau keine Aufmerksamkeit zukommen sollte.

Arne Franke freut sich, dass Wrocław mittlerweile anders mit seiner historischen Bausubstanz umgeht. Der Blick auf die eigene Architekturgeschichte sei inzwischen lückenlos, es fände keine „Geschichtsklitterung“ mehr statt. Seine begeisterte Empfehlung für zukünftige Wrocław-Touristen: Ein Besuch im didaktisch erstklassigen Stadtmuseum – aber, aktueller Tipp, erst nach Ende der Umbauphase im Sommer.
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