Vortrag


2. Juni 2016

Breslau/Wrocław - Kulturhauptstadt 2016


Vortrag

„Köstlich sind hier
die Speisen und das Bier“

Ein Besuch im Schweidnitzer Keller, dem berühmtesten Gasthaus von Breslau

mit Thomas Maruck








© Wikipedia

Einst war Breslau die achtgrößte Stadt in Deutschland; heute ist Wrocław die viertgrößte Stadt in Polen. Was auch an Großartigem und Schmerzlichem in der Stadt geschah, zu den „Hauptzeugen“ zählten stets das Rathaus und sein Keller.
Letzterer diente vermutlich von Anfang an als Zufluchtsort durstiger, hungriger und kommunikationsbedürftiger Zeitgenossen.

So ist der Ratskeller, benannt nach Schweidnitz, einer benachbarten schlesischen Stadt, ein historischer Ort für sich, wie auch fester „Sitz“ für den Besucher, der von hier aus in das Herz der Odermetropole schaut. Nebenbei sei noch erwähnt, dass es sich hier um das älteste Wirtshaus in Europa handelt. In dem Vortrag steht der Schweidnitzer Keller zwar im Mittelpunkt, ein ständiger Blick „nach oben“ ergibt sich jedoch von selbst.

Thomas Maruck

Katholischer Theologe, Redakteur, Lektor,
Publizist und Leiter von Exkursionen in
der Region Schlesien

Von Igeln, Sumpfhühnern und saufenden Affen

Mit Anekdoten und Geschichten über Kuriositäten rund um den Schweidnitzer Keller unterhielt Thomas Maruck das Publikum.

Die Bierkrüge im ältesten Gasthaus Europas werden nicht einfach, wie in Schlesien üblich, als „Kuffen“ bezeichnet. In Breslau heißen sie „Igel“. Der Grund dafür ist nach den Recherchen von Maruck leider nicht bekannt. Die Marienfigur, die an der Fassade des Gebäudes eine Konsole ziert, prostet dem Passanten fröhlich mit einem solchen zu - eine zumindest ungewöhnliche Darstellung der Mutter Jesu. Und überhaupt die Konsolenfiguren, auch die Schlusssteine des gotischen Gewölbes im ersten Stock des Rathauses: Überall finden sich „saufende Affen“ und „raufende Hunde“, Anspielungen auf den alkoholgetränkten Untergrund.

Mit einer Vielzahl historischer und aktueller Fotografien präsentierte Thomas Maruck Details rund um die berühmteste Gaststätte Breslaus. Er erzählte von den studentischen Trinkgelagen, von den historisch belegten Gepflogenheiten im Keller, schilderte kurz den ganz speziellen „Krieg“ um die freie Lieferung des Schweidnitzer Biers im Jahr 1380 und blätterte durch die lange Liste der berühmten Gäste des zünftigen Hauses. Zwischen seinen Anekdoten nannte er einige der zentralen Fakten, von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1303 bis zur Neueröffnung nach der Sanierung im Jahre 2002.

Goethe rümpfte die Nase über Breslaus Schmutz, Alfred Kerr widmete der Stadt eine poetische Liebeserklärung und schrieb von im Rathauskeller trinkenden „Sumpfhühnern“ – Thomas Maruck beendete seinen Zug durch das Kuriositätenkabinett mit einer Fülle an Beispielen, wie Breslau in die Literatur einzog. Und mit der Stadt oft auch ihr Schweidnitzer Keller, wo der Postbote neben dem Adligen, der Schuster vielleicht neben dem Monarchen in Inkognito anarchistisch gleichgestellt gemeinsam das beste Bier der Region zechten.
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