Gesprächskonzert


15. Juni 2016

Gesprächskonzert


Von Iveria nach Iberia

eine musikalische Reise


mit Alexander Reitenbach, Klavier


Der Pianist Alexander Reitenbach lädt seine Zuhörer dazu ein, ihn auf einer musikalischen Entdeckungsreise zu begleiten. Sie beginnt mit orientalisch eingefärbten Klängen aus dem Kaukasus und macht Station in Bulgarien, Rumänien, Russland, Ungarn, Österreich, Tschechien und Polen. Sie endet in Spanien, wo sich der Kreis schließt und wiederum der musikalische Einfluss Arabiens spürbar wird.

Reitenbach interpretiert Werke von Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts, die Motive der Volksmusik verarbeiten. Zwischen den Stücken erläutert er die Vielfalt der Rhythmen, Harmonien und Melodieformen, die immer wieder fasziniert.

Alexander Reitenbach stammt aus Georgien und hat an der Musikhochschule Stuttgart studiert. Sein Repertoire reicht vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik. Er ist Solist bei diversen internationalen Festivals und Konzertreihen. 2015 gastierte er u.a. mit dem Orquestra Nacional de Cuba in Havanna und spielte für eine Produktion des Stuttgarter Balletts mit dem Staatsorchester Stuttgart das Klavierkonzert in B-Dur von Brahms.

PROGRAMM
Armenien Arno Babadschanjan (1921-1983)
Elegie
Tanz aus Wagharschapat

Georgien Bidsina Kwernadze (1928 -2010)
Musikalischer Moment

Sulchan Zinzadse (1925-1992)
Panduri


Bulgarien Pantscho Wladigerow (1899-1978)
Berceuse
Ratchenitsa

Rumänien Béla Bartók (1881-1945)
Fünf rumänische Volkstänze

Russland Alexander Borodin (1833-1887)
Scherzo

Sergei Rachmaninow (1873-1943)
Polka de W.R.

Polen Frédéric Chopin (1810-1849)
Mazurka cis-Moll op. 63, 4,
Grande Polonaise Brillante op. 22

Norwegen Edvard Grieg (1843-1907)
Notturno op. 54 Nr. 4 aus den
„Lyrischen Stücken“

Ungarn Johannes Brahms (1833-1897)/
Gyorgy Cziffra (1921-1994)
Ungarischer Tanz Nr. 5


Tschechien Antonín Dvořák (1841-1904)
Slawischer Tanz

Bedřich Smetana (1824-1884)
Obkrocak aus den „Slawischen Tänzen“

Österreich Fritz Kreisler (1875-1962)/
Sergei Rachmaninow (1873-1943)
Liebesleid aus „Alte Wiener Volksweisen“


Italien Francis Poulenc (1899-1963)
Caprice Italien


Frankreich Claude Debussy (1862-1918)
Claire de lune aus der „Suite Bergamasque“

Spanien Manuel de Falla (1876-1946)
Danza ritual del Fuego


Der Wohlklang der Tradition

Überlieferte Volksmusik kann zur einzigartigen Inspirationsquelle werden – es sind Ideen der Romantik, der sich seit dem 19. bis weit hinein ins 20. Jahrhundert eine Vielzahl an Komponisten quer durch ganz Europa verschrieb.

In der Literatur führten diese Ideen die Brüder Grimm dazu, auf Recherche für ihre Märchensammlung zu gehen. In der Musik machte sich etwa Béla Bartok auf die Suche und fand unter anderem Rumänische Volkstänze. Einige Jahrzehnte später regte der Klang der Langhalslaute, die in Georgien zur Liedbegleitung gespielt wurde, Sulchan Zinzadse zur Komposition seines Stückes Panduri an. Von schwindelerregendem Tempo ist die Musik des Bulgaren Pantscho Wladigerow, der das Temperament des Balkans in Töne packte.

Sanfte Wiegenlieder und rasante Tänze wurden zum musikalischen Material, mit dem die Komponisten arbeiteten, dem sie ihren eigenen Stil verliehen. Wenn Chopin eine Mazurka schrieb, dann war sie stilisiert, dann funktionierte sie als glanzvolle Salonmusik. Wenn Franz Liszt eine neapolitanische Tarantella komponierte, dann brillierte mit ihr der Pianist. Aber nicht nur die musikalischen Traditionen, auch die Landschaft und ihre Atmosphäre an sich regte Musiker an: Die Faszination Italiens begeisterte zum Beispiel Claude Debussy und inspirierte ihn zur Suite Bergamasque.

Der Pianist Alexander Reitenbach führte auch erzählerisch durch einen Abend, der vielfältigste Anregungen bot. Er stellte mit einem armenischen „Alle meine Entchen“ den vom Dur/Moll abweichenden Aufbau der dort verwendeten Tonleiter vor. Er beschrieb den mongolischen Farbton, den die Musik des Russen Borodin besitzt. Er wies auf die Pentatonik hin, die von dem Norweger Edvard Grieg angedeutet wird. Und er betonte, wie versöhnlich-harmonisch eine von der Volksmusik geprägte Musik klang (und noch heute klingt), geschrieben auch noch zu Zeiten, in denen Strawinsky mit seinem Sacre du Printemps provozierte, in denen sich um Arnold Schönberg die Neue Wiener Schule formierte.

Obwohl die Europareise länger dauerte als geplant, forderte das Publikum eine Zugabe ein. Mit George Gershwin nahm Reitenbach es am Ende sogar mit auf transatlantische Fahrt.
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