Literarisch-musikalische Soirée


10. November 2016

„Mein Herz ist eine Fiedel...“
Geschichten aus dem Schtetl

mit

Rudolf Guckelsberger, Sprecher
Jochen Brusch, Violine
Alexander Reitenbach, Klavier



Abraham Manievich, Schtetl 1

Es ist eine entrückte Welt, die Welt der osteuropäischen Juden in ihrem Schtetl. Es gibt sie nicht mehr. Untergegangen, ausgelöscht. Aber es gibt Denkmäler, Geschichten, Gedichte, Musik und Bilder.

Viele Bewohner des Schtetl betrachteten ihre kleine, abgeschlossene Welt als ein „in Lumpen gehülltes Königreich des Geistes“: Studieren, Beten und ein unverwüstlicher Humor waren ihre „Lebensversicherungen“. Ihre Geschichten erzählen vom Standhalten und Davonkommen – sofern es den Erzählern vergönnt war.

Da ist Scholem Alejchem, dessen gutmütiges Lachen jedes Jammertal erfüllen kann; Jizchok Leib Perez, der einen das Weinen wieder lehrt; Isaak Babel, der Nachgeborene, der Stalins Terror nicht überlebte… und fast in jeder Geschichte geht es auch um die Musik, die uns das Leben lehrt und eine Sprache, wo Worte versagen.


 
Rudolf Guckelsberger

hat Katholische Theologie und
Sprechkunst studiert.
Er arbeitet für den SWR und führt
eigene Literaturprogramme auf.
 
Thomas Brusch

machte sein Konzertdiplom am Royal
College of Music in London.
Er war Konzertmeister der Essener Philharmonie und
leitet heute u.a. ein Kammerorchester in Tübingen.
 
Alexander Reitenbach

tritt als Solist bei internationalen Festivals
und Konzertreihen auf und wird seit 2008
zu Produktionen des Stuttgarter Balletts
eingeladen.

Der Eintritt ist frei.
Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl

Glaube, Trauer, Hoffnung

Die „Geschichten aus dem Schtetl“, die Rudolf Guckelsberger, Jochen Brusch und Alexander Reitenbach literarisch und musikalisch erzählten, sind voller Traurigkeit – und tiefer Religiosität. Geiger und Pianist spielten im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen im HdH BW Werke von Ernst Bloch bis John Williams (Filmmusik aus Schindlers Liste), Rudolf Guckelsberger hatte ein anspruchsvolles Leseprogramm zusammengestellt. In Fajwl Garfinkels In König Elends Land „sitzt die Sorge / spinnt und spinnt / graue Fäden in das Haar“. Isaak Babels im Schtetl völlig vergessener, „zum Gegenstand gewordener“ Greis Schloime erhängt sich, als er ausgesiedelt werden soll. Jizchak Lejb Perez sieht sein „Volk von Not umkreist“. In seinen Die Kabbalisten stirbt der völlig entkräftete Schüler eines Rabbiners im Schtetl nach endlosen Tagen des Hungerns und des sich Kasteiens. Zuvor allerdings hat er im Delirium die Glückseligkeit erreicht, die „himmlischen Heerscharen“ gehört – in seinem Innern „fing es an zu singen“. Nach der Lehre seines Rebbe hat er damit die Botschaft des König David verstanden, denn dies sei die höchste der Melodien: diejenige, die ohne Worte, ohne Stimme gesungen wird. So geht es in den „Geschichten aus dem Schtetl“ immer wieder um Musik, und damit um die Hoffnung. Bei Abraham Suzkewer wird die Geige zum „Todesüberwinder“, ihre Töne erwecken zu neuem Leben, „der Klang hat alle neu erschaffen.“ Musik kann die Kraft geben, die nötig ist, sich auf die „Brücke aus Papier“ zu wagen: Bei Mark Rasumny führt sie die Gerechten in eine bessere Welt.




Eine Veranstaltung im Rahmen der
Jüdischen Kulturwochen Stuttgart 2016.
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