Vortrag


16. November 2016




Vortrag von Harald Schukraft


Anna von Württemberg
Von Stuttgart nach Schlesien -


das Leben der Herzogin als Bindeglied zwischen Ost und West


Anna (1561-1616) war das elfte von zwölf Kindern des Herzogs Christoph von Württemberg.
Zweimal heiratete sie schlesische Herzöge aus dem piastischen Fürstengeschlecht. Beide Hochzeiten sind gut dokumentiert und vermitteln einen lebendigen Eindruck vom höfischen Leben in den Residenzen Brieg und Liegnitz. Der Vortrag zeichnet die Biografie von Herzogin Anna nach und thematisiert generell die Beziehungen der Piasten zu den deutschen Reichsfürsten im 16. Jahrhundert. Da Annas zweiter Gemahl, Herzog Friedrich IV., polnischer Thronkandidat war, wirft dies die Frage nach der rechtlichen Stellung Schlesiens innerhalb des Heiligen Römischen Reiches auf.
Die Herzogin starb 1616 auf ihrem Witwensitz Haynau, wo sie sich noch zu Lebzeiten ein prächtiges Grabdenkmal anfertigen ließ.



Hochadel – höchst privat

Hans von Schweinichen war Hofmarschall unter Friedrich IV. im schlesischen Liegnitz – und ist für Historiker ein einzigartiger Glücksfall. Harald Schukraft nutzte dessen Tagebuchaufzeichnungen, um ein außergewöhnlich lebensnahes, pralles Bild des Hochadels im 16. Jahrhundert zu zeichnen.

Zwischen 1568 und 1602 führte Hans von Schweinichen ein detailliertes Tagebuch. Harald Schukraft vermittelte seine Begeisterung über dieses einzigartige kulturhistorische Zeugnis den zahlreichen Zuhörern im HdH BW. Mehrfach betonte er: Es existieren so gut wie keine weiteren Quellen, die das höfische Leben im 16. Jahrhundert so unmittelbar, so plastisch, so empfindungsreich beschreiben.

Anna von Württemberg hatte seit dem Tod ihres ersten Mannes auf ihrem Witwensitz in Wohlau gelebt. Friedrich IV von Liegnitz, selbst erst seit wenigen Tagen Wittwer, besuchte sie dort. Wenige Wochen später war die Hochzeit beschlossene Sache. Es menschelt auch im Hochadel – verbindliche Trauerfristen spielen je nach Bedarfslage keine Rolle.

Hans von Schweinichen beklagte in seinen Tagebuchaufzeichnungen den exorbitanten Organisationsaufwand, den die Hochzeit in Liegnitz für ihn bedeutete. Am Tag danach konnte das Frühstück erst um ½ 7 Uhr am Abend aufgetragen werden – so lange brauchten die Herrschaften zur Erholung. Drastisch für heutige Zuhörer auch der immer wieder thematisierte Alkoholkonsum: Als Anna 1582 das erste Mal Liegnitz passierte, wurde ihr ein wahrhaft fürstlicher Empfang bereitet. Der Chronist zählte 47.000 Liter (!) getrunkenen Weines.

Am Beispiel Annas thematisierte Schukraft die Heiratsstrategien des Hochadels. Er erläuterte, wie die Reformation zu einer Annäherung Schlesiens und Württemberg führte. Durch die Kirchenspaltung hatte sich schlichtweg der Heiratsmarkt verkleinert. Die protestantischen schlesischen Fürstentümer mussten sich gen Westen, umgekehrt die Württemberger gen Osten orientieren, denn Katholiken als Ehepartner wurden undenkbar.

Am Ende seines Vortrags ging Harald Schukraft auf Briefe ein, die in Liegnitz archiviert sind. Sie zeigen Anna als sozial engagierte Frau, die sich tatkräftig für das Wohl ihrer Untertanen einsetzte. Sie verhalf etwa der vom Ehemann geschlagenen und bestohlenen Ursula zu ihrem Geld und zu ihrem Recht. Damit führte sie laut Schukraft die wohltätige Tradition des württembergischen Hofes in Schlesien fort.


Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung "Flucht vor der Reformation".
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