Konzert


8. März 2017
Kursaal Bad Cannstatt, Großer Saal



Kammerorchester arcata stuttgart
und
Lajos Lencsés (Oboe)

 
 
Von Barock bis zu zeitgenössischer Musik interpretiert das Kammerorchester arcata stuttgart unter der Leitung seines Gründers und Dirigenten Patrick Strub seit fast 30 Jahren ein vielfältiges und vielschichtiges Repertoire, mit dem die 19 professionellen Streicherinnen und Streicher aus der Stuttgarter Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken sind.

Lajos Lencsés, geboren in Dorog (Drostdorf), Ungarn, studierte in Budapest und Paris und zählte schon früh zu den besten Oboisten Europas. Als Solist und Kammermusiker war und ist er weltweit gefragt.  Sein umfangreiches Repertoire ist in zahlreichen Einspielungen dokumentiert. Lencsés war als Solo-Oboist langjähriges Mitglied des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart.  Für seine vielfältigen kulturellen Aktivitäten wurde Lajos Lencsés 2003 mit dem Ungarischen Ritterorden ausgezeichnet.


Programm:

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 -1704)
Battaglia

Johann Wenzel Kalliwoda (1801- 1866)
Morceau de Salon op. 228 für Oboe und Streicher

Ferenc Farkas (1905 – 2000)
Alte Ungarische Tänze für Oboe und Streicher

-    Pause -

Johann Stamitz (1717 – 1757)
Mannheimer Sinfonie Nr. 1, G-Dur

Julius Klengel (1859 – 1933)
Serenade für Streichorchester F-Dur, op. 24

Kanonenschüsse und der liebliche Gesang der Oboe

Das Kammerorchester arcata stuttgart und der Oboist Lajos Lenczés begeisterten mit Werken von Biber, Kalliwoda, Farkas, Stamitz und Klengel

Zum ersten Mal lud das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg seine Gäste zu einem Konzertabend nicht in seine eigenen Räumlichkeiten, sondern in den Cannstatter Kursaal ein. Das Kammerorchester arcata stuttgart präsentierte vor etwa 200 begeisterten Zuhörern ein Musikprogramm, das vom Barock bis ins 20. Jahrhundert reichte. Als Solist konnte der ungarische Oboist Lajos Lencsés gewonnen werden. Der 1943 in Ungarn geborene Musiker, ehemaliger Solist des SWR-Symphonieorchesters gilt als einer der großen Oboisten unserer Zeit. Kooperationspartner waren das Ungarische Kulturinstitut Stuttgart sowie die Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm.

Gleich zu Beginn des Konzerts setzte arcata stuttgart einen beeindruckenden musikalischen Akzent. Denn in seinem musikalischen Schlachtengemälde Battalia, 1673 komponiert, präsentiert der 1644 im nordböhmischen Wartenberg geborene Heinrich Ignaz Franz Biber eine Reihe von ungewöhnlichen musikalischen Effekten. In der Eröffnung, Sonata, fordert er die Streicher auf, mit ihren Holzbögen auf die Saiten zu klopfen. Im zweiten Satz, von ihm betitelt mit „Die liederliche Gesellschaft von allerley Humor“, kombiniert er deutsche, slowakische und tschechische Volkslieder gewollt „dissonant, denn die Betrunkenen pflegen so verschiedene alte Lieder zu brüllen“. Mars tritt auf, und das Geschützfeuer der Schlacht imitiert die Bassgruppe durch aufs Griffbrett schlagende Saiten. An das Ende des Gefechts hat Biber bemerkenswerterweise keine Siegesfanfare, sondern ein düster wirkendes Adagio gestellt – die heulende Klage der verwundeten Musketiere.

Der Solist Lajos Lencsés brillierte anschließend mit den Ungarischen Tänzen aus dem 17. Jahrhundert des ungarischen Komponisten Ferenc Farkas (1905-2000). Farkas ließ sich von der Volksmusik des Donauraumes mit ihrem unerschöpflichen musikalischen Ideenreichtum inspirieren. In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann er, sich „erstmals für diese Musik zu interessieren. Ich war davon so fasziniert, dass ich mich entschloss, sie wieder zum Leben zu erwecken.“ Der Komponist war von 1941 bis 1944 Professor am Konservatorium im siebenbürgischen Klausenburg und wirkte von 1949 bis 1975 an der Musikakademie in Budapest, wo u.a. einer der bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, György Ligeti, zu seinen Schülern zählte.

Das Morceau de Salon, op. 228 von Johannes Wenzel Kalliwoda (1801-1866), lebt vom Schwung der melodischen Fantasien seines Komponisten. Der in Prag geborene Geiger und Dirigent begeisterte während einer Konzertreise durch Süddeutschland als 21-jähriger den wenig älteren Fürsten Karl Egon II. zu Fürstenberg, der ihn einlud, die vakante Stelle des Hofkapellmeisters in Donaueschingen anzutreten. Kalliwoda fühlte sich hier so wohl, dass er 44 Jahre lang dort wirkte.

Mitte des 18. Jahrhunderts blühte am Mannheimer Hof des musisch ambitionierten Kurfürsten Karl Theodor ein kleines Orchesterwunder auf. Ein Kreis von begabten Instrumentalisten aus ganz Europa hatte sich unter der Leitung von Johannes Stamitz (1717-1757) zusammengefunden. Er gilt als spiritus rector der berühmten Mannheimer Schule. Der Komponist und Geigenvirtuose war vor dreihundert Jahren in Deutschbrod in Böhmen geboren worden. Das Stuttgarter Ensemble arcata spielte im zweiten Teil des Konzertes die Symphonie in G-Dur, die erste von drei Mannheimer Symphonien. Das dreisätzige Werk (Allegro, Larghetto, Presto) wird Stamitz zugeschrieben.

Zum Abschluss des Konzertes brachte arcata stuttgart die Serenade für Streichorchester in F-Dur, op. 24 des sächsischen Cellisten und Komponisten Julius Klengel zu Gehör. Klengel war auch als Musikpädagoge erfolgreich. Er gehörte ab 1911 zu den Lehrern des neu gegründeten Thüringer Konservatoriums für Musik in Erfurt.


Eine Veranstaltung in Kooperation
mit dem Ungarischen Kulturinstitut Stuttgart
und der Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm.

 
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