Vortrag


Mittwoch, 10. Mai 2017, 18 Uhr, Großer Saal, EG

„Der Deutsche Orden
und die Reformation in Preußen“



Vortrag von
Prof. Dr. Udo Arnold, Universität Bonn


Der ehemals stabile Staat des Deutschen Ordens an der Ostsee hatte am Ende des 15. Jahrhunderts massive innere und äußere Probleme. Politische Reformen schienen unabdingbar. Angeregt von den Ideen der Reformation wagte Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Hochmeister des Ordens in Königsberg, einen fundamentalen Wandel mit gewaltigen Auswirkungen. In Nürnberg hatte er die reformatorischen Predigten von Andreas Osiander gehört. Auf dessen Anregung traf er Martin Luther und Philipp Melanchthon. Sie gaben ihm einen Rat, wie er die Position seines angeschlagenen Staates retten könne: Er solle seinen Orden verlassen und das geistliche Ordensland in ein weltliches Herzogtum umbauen.

Prof. Dr. Udo Arnold ist Professor i. R. für Mittelalterliche und Neuere Geschichte und Didaktik der Geschichte an der Universität Bonn sowie Dr. h.c. der Universität Ermland-Masuren in Olsztyn/Allenstein. Er beleuchtet in seinem Vortrag die Hintergründe, innen- und außenpolitische Verwicklungen sowie die Hauptpersonen eines „Staatsstreiches“, mit dem letztlich die Reformation in Preußen eingeführt wurde.


Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung "Flucht vor der Reformation".

Die Reformation als Instrument der Politik

„Nicht Sachsen, nicht Hessen und schon gar nicht Württemberg war das erste Flächenland, das sich der Reformation anschloss – sondern Preußen“. Die Gründe dafür waren keineswegs rein religiöser Natur, erläuterte Udo Arnold.

Im April 1525 wurde mit dem „Akt von Krakau“ der Wandel des katholischen Ordenslandes Preußen zum ersten protestantischen Herzogtum Europas vollzogen. Udo Arnold, Professor i.R. der Universität Bonn, erklärte in seinem Vortrag die politischen Zusammenhänge, die seiner Einschätzung nach tatsächlich den Ausschlag für den Konfessionswechsel gaben.

Kurz ging Arnold zunächst auf die historischen Grundlagen ein: Die römisch-katholische Gemeinschaft des Deutschen Ritterordens wurde 1190 während der Kreuzzüge im Heiligen Land gegründet. Seit dem 13. Jahrhundert nahm der Orden im Ostseeraum eine wichtige Rolle ein. Dort gründete er auf einem Gebiet östlich von Thorn und Danzig bis hinauf zur Memel den Deutschordensstaat.

1511 brach der Deutsche Orden mit den eigenen Regeln und wählte den erst 21 Jahre alten Albrecht von Brandenburg-Ansbach zum Hochmeister in Preußen. Er war weltlicher Würdenträger, kein Ordensritter - aber Sohn der Schwester des polnischen Königs. Die Wahl war von politischer Natur: Die schwierigen Beziehungen zum Nachbarn Polen sollten stabilisiert werden.

1523 begegnete Albrecht in Wittenberg Martin Luther, der ihm empfahl, Preußen in ein weltliches Fürstentum umzuwandeln. Schon vorher hatte Luther per Druckschrift die Ordensherren „ermahnt“, ihnen angeraten, Familien zu gründen, Ordenseigentum zu privatisieren. Albrecht erkannte die Anregung als Ausweg: Er hatte im Heiligen Römischen Reich um Unterstützung gegen Polen geworben – und sie nicht erhalten. Der Bedrohung durch den mächtigen Nachbarn konnte er trotz seiner familiären Beziehungen ohne Hilfe nicht begegnen, er sah sein Gebiet, seine Herrschaft, seine Pfründe bedroht. Als weltlicher Herzog eines preußischen Herzogtums von Polens Gnaden konnte er weiter regieren. Die Reformation stützte ihn dabei moralisch, legitimierte ihn in gewisser Weise.

Für Udo Arnold ist das der zentrale Punkt: Der Wechsel der Konfession dient der Stabilisierung der eigenen Herrschaft – religiöse Gedanken spielten dabei keine ausschlaggebende Rolle. So wurde die Reformation letztlich politisch instrumentalisiert.

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