Sommerlesung


Mittwoch, 26. Juli 2017, 18 Uhr, Großer Saal EG

„Der Kaffee ist ein Hochgenuss“


Literarische Soirée mit der Schauspielerin Jutta Menzel

Schwarz wie der Teufel, heiß wie die Hölle, rein wie ein Engel, süß wie die Liebe: so muss Kaffee sein. (Charles Maurice de Talleyrand-Perigord)

Es gibt weltweit nur wenige Getränke, die sich einer so großen und allgemeinen Beliebtheit erfreuen wie der Kaffee. Mit der Neuzeit beginnt sein europäischer Siegeszug: Der exotische Trank aus dem Orient erobert die Gesellschaft, überwindet alle Standesunterschiede und wird über die Jahrhunderte zum festen Bestandteil unseres Lebens.

Das HdH BW und die Schauspielerin Jutta Menzel laden ein zu einem unterhaltsamen Streifzug durch die Geschichte des Kaffees. Erleben Sie Genießer, Connaisseure und Spötter. Von der Bach´schen Kaffeekantate bis zum Malzkaffee, im Wiener Kaffeehaus, im Café Größenwahn in Berlin oder in Prag, wo „es brodelt und werfelt und kafkat und kischt“ - genießen Sie eine bittersüße Melange aus Poesie und Kaffeekultur.

Sie werden sehen: Beides ist köstlich, kostbar, unverzichtbar.

Der Eintritt ist frei. Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl.


Kaffee - Vom Satansgebräu zum Trendgetränk

Die Schauspielerin Jutta Menzel führte unterhaltsam ein in die Kulturgeschichte des Lieblingsgetränks der Europäer.

Um die Entdeckung des Kaffees als aus gerösteten Kaffeebohnen aufgebrühtes Getränk ranken sich viele Mythen. Ob es nun die Mönche in einem Sufi-Kloster waren oder der Prophet Mohammed, dem der Trank höchstpersönlich von Erzengel Gabriel überreicht wurde, sei dahingestellt. Auf jeden Fall begann das Heißgetränk seinen Siegeszug im 13. Jahrhundert in Afrika, setzte ihn über die arabische Halbinsel fort und kam auf dem Seeweg bis zur Ostsee, auf dem Landweg über Konstantinopel, den Balkan und Wien in das östliche Europa.

Die Fülle an Anekdoten, Aphorismen und literarischen Huldigungen, die Jutta Menzel in ihre einstündige kulturgeschichtliche Zeitreise packte, war schier unerschöpflich. Genauso endlos scheint die Liste an Künstlern und Intellektuellen, die sich in Kaffeehäusern trafen, dort arbeiteten. Else Lasker-Schüler lebte im Kaffeehaus, sie brauchte nach der Trennung von ihrem Mann keine Wohnung mehr, so Menzels Extrembeispiel.

Wie politisch das öffentliche, gemeinsame Trinken von Kaffee sein kann, zeigte der Hinweis auf die Kaffeehäuser in Wien nach 1848. Umgekehrt wird das Getränk zum Symbol des bürgerlichen Rückzugs ins Private, wenn in Preußen das „Kaffeekränzchen“ geboren wird. Heute ist sein Genuss bis zum Äußersten individualisiert, jeder wählt seine spezielle Kapsel für den Vollautomaten zuhause, seine Milch-Schaum-Topping-Komposition, die er bei Starbucks in einen feinen Einweg-Papp-Becher füllen lässt.

Jutta Menzels Soiree war die Abendveranstaltung eines Kolloquiums, an dem Ethnologen, Historiker und Ausstellungsmacher über das Thema diskutierten. Die gewonnenen Erkenntnisse werden 2018 veröffentlicht. Eine vom HdH BW erarbeitete Ausstellung soll das Projekt dann 2019 abrunden.

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