Vortrag


Donnerstag, 19. Oktober, 18 Uhr, Großer Saal EG

Käthe Kollwitz – Die Liebe, der Krieg und die Kunst 


Vortrag von Dr. Yvonne Schymura

Die Grafikerin, Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867 – 1945) wurde vor 150 Jahren in Königsberg geboren. Sie gehört fraglos zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

Käthe Kollwitz führte ein Leben gegen alle Widerstände. Dass sie als Tochter einer bürgerlichen Familie überhaupt eine Ausbildung erhielt, war ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher war, dass es ihr gelang, Berufung und Familie zu vereinen. Sie hatte ein außergewöhnliches Talent und einen eisernen Willen. Sie liebte das Leben und wollte es mit allen Mitteln ausschöpfen. Es war auf das Engste mit der deutschen Geschichte und ihren Katastrophen verknüpft, und so folgte ihrem Aufstieg als Künstlerin der Sturz in das Bodenlose. Yvonne Schymura stellt eine ungewöhnliche Künstlerin vor, deren Werk die Menschen noch immer berührt.

Dr. Yvonne Schymura studierte Geschichte, Literaturwissenschaften und Soziologie und arbeitet u.a. als freie Autorin. Ihre Biographie „Käthe Kollwitz. Die Liebe, der Krieg und die Kunst“ erschien 2016 bei C.H.Beck.

Der Eintritt ist frei. Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl.

Käthe Kollwitz – Kunst und Familie

Yvonne Schymura, promovierte Historikerin, nähert sich ihrem Thema Käthe Kollwitz weniger als Wissenschaftlerin denn als Schriftstellerin. Im HdH BW las sie aus ihrer literarischen Biografie über die bis heute bekannteste deutsche Künstlerin.

Käthe Kollwitz ist für Schymura kein wissenschaftliches Objekt, das sie distanziert untersucht, keine historische Figur, deren Leben und Wirken sie nüchtern analysiert. Als ihr „Lieblingsthema“ stellte sie die Künstlerin vor, und vermittelte glaubhaft, wie sehr deren Biografie sie bewegt, wie sehr ihr die Vermittlung am Herzen liegt.

Gelesene Passagen aus dem Buch und knappe, vorgetragene Informationsblöcke stellten den Lebensweg von Käthe Kollwitz bis 1933 dar. Geprägt vom freireligiösen Elternhaus setzte Kollwitz sich permanent über Konventionen hinweg. In einer Zeit, in der Frauen an Kunstakademien unerwünscht waren, studierte sie Malerei an der Schule des Vereins der Berliner Künstlerinnen und Kunstfreundinnen. Hier hatten Frauen sich selbst organisiert, um zu lernen, was ihnen sonst verwehrt wurde. Später in München, als Studentin im libertären Kunstbetrieb, fiel sie als Verlobte auf, als Frau, die Kunst und Familie nicht als unvereinbar sahen. Ihr Zugeständnis bei der späteren Arbeit: Wegen der Wohnsituation mit kleinen Kindern stieg sie pragmatisch von Malerei auf Grafik um – vom Erfolg ihrer Werke aus betrachtet im Nachhinein keine falsche Entscheidung.

Auf die Fragen des Publikums zum weiteren Lebensweg von Käthe Kollwitz ging Yvonne Schymura sachkundig ein. 1936 wurde die Künstlerin mit einem inoffiziellen Ausstellungsverbot belegt, ging aber nicht ins Exil. 1943 verließ sie Berlin, um den Bombardierungen zu entkommen. Sofort nach ihrem Tod 1945 begann ihr Nachruhm, fand die erste Ausstellung ihrer Arbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg statt.

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