Projektwoche


Fremde Heimat

„Fremde Heimat“ ist Teil der jährlich stattfindenden Medienprojektwoche an der Rosensteinschule Stuttgart in Kooperation mit der Stadtbibliothek am Mailänder Platz. 
     

  21. - 25. November 2016

„Sie können aber gut Deutsch“ – dieser Satz, formuliert als überraschte Reaktion auf die Sprachkenntnisse einer gebürtigen Russin, machte Lena Gorelik so wütend, dass die Romanautorin 2012 ihr erstes und bisher einziges Sachbuch schrieb. Im Text wirft sie dem Leser seine eigenen Vorurteile um die Ohren, plädiert leidenschaftlich für Differenzierung, für ein Überwinden der Zuschreibungen „Die Deutschen“/„Die Ausländer“.

Ihr Buch brachte sie mit zur Lesung für die Jugendlichen der 9b der Rosensteinschule – und legte es bald wieder zur Seite. Statt vorzutragen leitete sie eine quicklebendige Diskussion. Afghanistan, Indien, Rumänien, Albanien, Irak, Italien, … die 19 Schülerinnen und Schüler stammen aus 14 Nationen und leben seit einem bis vier Jahren in Deutschland. Und wie im Gespräch schnell klar wurde, waren sie alle schon Vorurteilen begegnet. „Heute gestohlen – morgen in Polen.“, „Sizilien ist gleich Mafia-Land“. Kroatien ist aber viel mehr als ein Urlaubsland und in Eritrea gibt es nicht nur geschickte Frisöre.

Vom Nachdenken über Vorurteile führte der Workshop zur Frage, was Fremdsein bedeutet, was Heimat sein kann. Unter der Anleitung von Andrea und Yavuz Köroglu (Tänzerin/ Schauspieler) erstellten die Jugendlichen eigene Texte, zunächst in ihrer Muttersprache, dann auf Deutsch. Marin nutzte dafür Zeilen eines kroatischen Volkslieds: „Meine Heimat hat die Kraft von goldenem Weizen, ihre Augenfarbe ist die des Meeres“. Für Tomek aus Polen war die Frage nach „Heimat“ eine völlig klare Sache: „Wo meine Familie ist, egal, in welchem Land“, lautete seine Antwort.

Andrea Köroglu ließ die Gedanken und Formulierungen in Body-Percussion umsetzen, leitete tanz- und theaterpädagogisch an. Um den Mitschülern ein Stück eigene Kultur nahezubringen, brachten sich die Jugendlichen gegenseitig Tänze ihrer Heimat bei, führten ihre Musik vor. Im HdH BW erklangen polnischer Rap, albanischer Ragga, indische Liebeslieder.

Als Endprodukt entstand eine Szenische Collage, die im Zuge der Projektpräsentation in der Schule aufgeführt wurde.
Zur Dokumentation wurde der Ablauf des Workshops mit dem Camcorder aufgezeichnet und zu einem Trailer zusammengeschnitten.

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-geruch-der-deutschen


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