Interkulturelles Schreibprojekt


S-Quadrat
Samara und Stuttgart aus Schüler-Sicht

Im Rahmen des 25-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläums Stuttgart – Samara im Jahr 2017 führt das HdH gemeinsam mit dem Königin-Olga-Stift ein interkulturelles Schreibprojekt durch.
Alle zwei Jahre findet der Schüleraustausch des Gymnasiums mit dem Gymnasium Nr. 1 in Stuttgarts russischer Partnerstadt Samara statt. In der Vor- und Nachbereitung werden in diesem Schuljahr neue Wege beschritten. Die Erlebnisse und Eindrücke der Schülerinnen und Schüler in ihren Partnerstädten sollen auf eine neue Art Ausdruck finden und zwar in Form von Poetry-Slam. Hierfür holte sich das HdH Nikita Gorbunov ins Boot, der zu den Großen der Stuttgarter Poetry Slam-Szene gehört. Er wurde „in Moskau geboren und im Zuge der Wende bis nach Stuttgart gespült“, so formuliert er auf seiner Website.
Teil 1 des Projekts findet an drei Terminen im Herbst 2016 statt: einmal, bevor die Stuttgarter Schülerinnen und Schüler nach Samara fahren und zweimal nach ihrer Rückkehr. Bei Teil 2 im Frühjahr 2017 steht Gorbunov dann den Schülerinnen und Schülern aus Samara, die die baden-württembergische Landeshauptstadt besuchen, zur Seite.
     

  TEIL 1: Samara aus Schüler-Sicht
1. Workshop am 21. September 2016


Mitten in der heißen Vorbereitungsphase der deutschsprachigen Meisterschaften SLAM 2016, die Nikita Gorbunov mitveranstaltet, nahm er sich im September Zeit für 12 Schülerinnen und Schüler des Russisch-Profils am Königin-Olga-Stift. Vor ihrer Fahrt im Oktober lernten die Neunt- und Zehntklässler in der Schreibwerkstatt die Techniken des Poetry-Slams kennen.
Nach einem kleinen unterhaltsamen theoretischen Teil und lustigen Video-Beispielen von erfahrenen Slammern auf der Bühne probierten sich die Jungpoeten dann selbst aus. Nachdem die ersten eigenen Werke in Sinneinheiten geschnitten, die Schnipsel untereinander verteilt und schließlich bunt gemischt sinnvoll zusammengesetzt wurden, kamen erstaunliche Werke zu Stande. Damit hatten die Schüler verstanden: Texte kann man puzzeln und sie sind wie Lego-Bausteine.
Gegen Ende stellte Gorbunov den Schülern die Aufgabe, während ihrer Russlandfahrt „mit scharfem Blick“ zu beobachten, um beim nächsten Treffen ihre Eindrücke zu „skrupellosen Sprüchen“ zu „verquirlen“. Wir dürfen auf die mit Ideen und Impressionen gefüllten Koffer aus Russland gespannt sein.

  2. Workshop am 26. Oktober 2016

Mit vielen unterschiedlichen Eindrücken im Gepäck kehrten die zwölf Schülerinnen und Schüler des Königin-Olga-Stifts von 14 ereignisreichen Austauschtagen in Samara und einer kleinen Stippvisite in Moskau zurück. Jetzt erwartete sie der zweite Teil des Poetry-Slams mit Nikita Gorbunov im HdH BW. Während ihres Aufenthaltes in Samara waren die Neunt- und Zehntklässler schon fleißig am Reimen und präsentierten ihre ersten Werke. Dabei beschäftigten drei Themen die Jugendlichen ganz besonders: Verkehr, Schule und Freizeit. Die schlechten Straßenverhältnisse in Samara, der ständige Stau und das vermeintliche Nichteinhalten von Verkehrsregeln waren Eindrücke während des Austausches. Dass die russischen Schülerinnen und Schüler auch samstags zur Schule müssen, erstaunte so manchen. Ebenso, dass nicht die Klassen ein Klassenzimmer haben, sondern die Lehrer ein „Lehrerzimmer“ und deshalb immer die Schüler die Räume wechseln müssen. Die gemeinsame Freizeit, fernab des offiziellen Programmes, verbrachte die bilaterale Gruppe gerne in Cafés, wo sie sich Spiele ausliehen, um gemeinsam zu spielen. Neben dem Spielen wurde viel gequatscht und sich ausgetauscht. So fanden sich auch manche Gemeinsamkeiten z. B. in Bezug auf den Musikgeschmack. Aber nicht nur während des Austauschs herrschte ein volles Programm, auch für den Workshop stand einiges auf der Agenda. Drei kreative Schreibaufgaben setzte die Russischklasse an diesem Nachmittag um. Die Jugendlichen schrieben in einem Satz auf, was unbedingt über den Russlandaufenthalt erzählt werden muss. Ein anderer Schüler wurde im Zufallsprinzip ausgewählt und musste diesen Satz nun in einer vorgegebenen Form (Gedicht, Elfchen, Kurzgeschichte usw.) ausformulieren. In der zweiten Aufgabe entstand ein Tagebucheintrag aus der Sicht der russischen Gastschwester bzw. des russischen Gastbruders während des Aufenthaltes in Samara. Als dritte und vielleicht schwerste Aufgabe ließen die Schülerinnen und Schüler den Austausch nochmals in ihren Köpfen Revue passieren, um dann aufzuschreiben, was sie bei diesem Austausch am meisten geprägt hat. Zur Auflockerung am Schluss trug Gorbunov selbst den fleißigen Russlandfahrern noch einige improvisierte Stücke vor.

  3. Workshop am 16. November 2016

Die Ideen waren diskutiert und umgesetzt, die ersten Texte verfasst – nun ging es an den literarischen Feinschliff. Was spielt alles eine Rolle, wenn Worte wirken? Wie kombinieren gute Slammer? Welche Kniffe helfen beim Reimen? Welcher Aufbau sorgt dafür, dass ein Text die Spannung hält, welche Formen „funktionieren“ beim Zuhörer? Gorbunov schöpfte aus seiner Trick-Kiste und half den Schülerinnen und Schülern beim Ausformulieren.

Poetry-Slam ist ein Wettbewerb unter Vortragenden. Deshalb stand am Ende des Workshops das Performen vor Publikum auf dem Programm. Übungen aus dem Improvisationstheater führten an verschiedene Techniken des Präsentierens heran. Gorbunov gab Hinweise, was einen guten Auftritt auszeichnet, und Tipps, wie ein Anfänger den Weg dorthin findet.

Im Frühjahr 2017 kommen die russischen Austauschpartner zum Gegenbesuch in die Landeshauptstadt. Dann werden auch sie unter Gorbunovs Anleitung dichten.


  TEIL 2: Stuttgart aus Schüler-Sicht
Workshop am 29. März 2017


Im Frühjahr 2017 stand der Gegenbesuch der Schülerinnen und Schüler aus Samara an. Neben einem abwechslungsreichen Kulturprogramm konnten die russischen Jugendlichen an einem vom HdH BW organisierten kreativen Poetry Slam-Workshop mit der Szenegröße Nikita Gorbunov teilnehmen und eine neue, vor allem im deutschen Sprachraum verbreitete künstlerische Ausdrucksform kennenlernen.
Die Nachwuchs-Poeten brachten sehr gute Sprachkenntnisse aus ihrem vieljährigen Deutschunterricht mit. In ihre Texte floss ein, was ihnen im schwäbischen Alltag als merkwürdig aufgefallen war: Ein Frühstück aus Körnern, Müsli genannt, gehörte dazu, und die fast unerschwingliche Exklusivität von Taxifahrten, die in ihrer Heimat gängig sind.
Ein Tag vor der Rückreise wurde bei einer Abschlussveranstaltung im Königin-Olga-Stift der gesamte Aufenthalt in Baden-Württemberg gelobt und dabei die Erfahrung mit Poetry Slam auch bildlich hervorgehoben.

 
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