Seminarkurs


Zuflucht in Stuttgart

18 Zwölftklässlerinnen und -klässler der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart nehmen in diesem Schuljahr an dem Seminarkurs „Zuflucht in Stuttgart“ unter der Leitung von Martin Gansen teil.
Im Seminarkurs befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Ankunftssituation im deutschen Südwesten sowohl historisch als auch gegenwärtig. Am Ende des ersten Halbjahres und als Abschluss des ersten historischen Teils des Seminarkurses werden die Schülerinnen und Schüler Zeitzeugengespräche mit nach Baden-Württemberg eingewanderten Personen führen und darüber eine Facharbeit schreiben. Für den historischen Teil kooperiert die Schule mit dem HdH BW. Insgesamt drei Termine sind dafür vorgesehen. 
     

  Einführung in die Bibliothek und die Recherchearbeit
14. Oktober 2016


Um eine Grundlage für die Zeitzeugengespräche und die schriftliche Facharbeit zu schaffen, ist es unumgänglich, sich Hintergrundwissen anzulesen und sich mit den historischen Begebenheiten in den jeweiligen Ländern der Gesprächspartner vertraut zu machen. Die Fachbibliothek des Hauses der Heimat, die Bücher, Fachzeitschriften, Hörbücher und Kartenmaterial bereitstellt, eignet sich hierfür besonders.
Die Seminarkursteilnehmerinnen und -teilnehmer lernten bei ihrem Besuch die Grundlagen der Bibliotheksrecherche kennen. Wie finde ich das passende Buch zu meinem Thema? Welche Schlagwörter helfen mir bei meiner Suche weiter? Wo finde ich welche Signatur? Diese und andere Fragen beantwortete die Bibliothekarin Renate Deutschländer,  mit viel Geduld und hilfreichen Tipps. „Hier werde ich ab jetzt öfter herkommen“, war das Schlussfazit eines Schülers.

  Vortrag zu Flucht und Vertreibung
21. Oktober 2016


Neben der Fachbibliothek zur Quellenforschung bietet das HdH BW auch hauseigene Materialien zum Thema Flucht und Vertreibung an. Im Zuge eines Vortages von Carsten Eichenberger wurde die interaktive CD-ROM „Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Deutschen als internationales Problem“ den Seminarkursteilnehmerinnen und -teilnehmer vorgestellt. In dem knapp eineinhalbstündigen Vortrag präsentierte Eichenberger den Inhalt des digitalen Mediums und ging vor allem auf die Punkte Umsiedlung und Völkermorde in der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, Flucht und Vertreibung der Deutschen und Neuanfänge nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Im Anschluss erhielten die Zwölftklässlerinnen und -klässler die CD-ROM als Arbeitshilfe für die schriftliche Facharbeit und als Vorbereitung auf die Zeitzeugengespräche. Auch die Lehrerhandreichung wurde ausgeteilt; „damit Sie nach dem Durchlesen genau so viel Wissen haben wie Ihre Lehrer“, so Eichenberger mit einem Augenzwinkern. Bei der nächsten Seminarsitzung soll die Lehrerhandreichung gleich zur Zitationsübung eingesetzt werden.

  Zeitzeugengespräche
18. November 2016


Es war soweit, die Zeitzeugengespräche standen an. Nach wochenlanger Einarbeitung in das Thema und dem Aneignen von Hintergrundwissen zu den historischen Regionen im östlichen Europa trafen die Schülerinnen und Schüler auf ihre Gesprächspartner. Insgesamt vier Zeitzeugen lud das HdH BW zu diesem Termin ein: Helmut Letfuß, Sudentendeutscher, Katharina Martin-Virolainen, Russlanddeutsche, Erwin Krich, Siebenbürger Sachse und Günther Vossler mit bessarabiendeutschen Wurzeln.
Eingeteilt in Kleingruppen fanden die Gespräche, die viel mehr einen gegenseitigen Austausch als eine einseitige Befragung darstellten, statt. Da alle Jugendlichen selbst einen Migrationshintergrund haben, konnten auch sie ihre Erfahrungen von der Ankunftssituation in Deutschland in die Gespräche einfließen lassen.
Bei der gemeinsamen Abschlussrunde zeigten sich beide Seiten tief beeindruckt von den vorangegangenen Gesprächen – es war sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Gesprächspartner eine Bereicherung. Zum Schluss merkte Katharina Martin-Virolainen an, dass sie hoffe, dass die Jugendlichen auch eines Tages den Mut finden werden, ihre Geschichten zu erzählen, denn nur durch Wissen kann Verständnis aufkommen und Integration gelingen.

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