SCHÜLERWETTBEWERB 2013/2014

Grenzüberschreitender Schülerwettbewerb 2013/2014

„Gemeinsam in Europa ─ Baden-Württemberg & die Slowakei“





Schülerwettbewerb „Gemeinsam in Europa“
Preisverleihung im Innenministerium Baden-Württemberg

Sie reisten aus Mannheim, Heidelberg, Wendlingen, Ludwigsburg, Backnang, Heubach, Lahr, Villingen-Schwenningen und Ulm in die Landeshauptstadt: Am Freitag trafen sich die 25 Hauptpreisträger des Schülerwettbewerbs „Gemeinsam in Europa“ des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg bei der Preisverleihung im Innenministerium des Landes.

Da der diesjährige Wettbewerb grenzüberschreitend stattfand, begegnete ihnen dort die zweite Gruppe an Preisträgern, 23 Jugendliche aus der Slowakei.

Nachdem Innenminister Reinhold Gall und Štefan Kandrač vom Selbstverwaltungsbezirk Košice die Schüler und Schülerinnen, ihre Angehörigen und Lehrer sowie die weiteren Gäste begrüßt hatten, wurden die Gewinner auf die Bühne gerufen. Dort nahmen zunächst die Slowaken ihre Urkunden in Empfang. Über den eigentlichen Preis hatten sie sich bereits früher gefreut: Sie hatten die Gelegenheit bekommen, auf einer einwöchigen Reise Baden-Württemberg kennenzulernen. In Ulm hatten sie unter anderem das Münster bestiegen, waren mit der Fähre über den Bodensee gefahren, hatten sich in Tübingen beim Stocherkahn-Fahren probiert und in der Landeshauptstadt bereits das Mercedes-Benz-Museum besichtigt. Der Europapark Rust war für viele ein Höhepunkt des Programms gewesen, Linda Pokorná und Dominika Húdoková, zwei Preisträgerinnen, waren sich aber einig: Am besten hatte ihnen Konstanz gefallen. „Die Architektur, das schöne Zentrum – da hätten wir gerne noch mehr Zeit gehabt!“. Das Fazit der Gruppe, das zwei Schüler auf der Bühne für das Publikum formulierten: „Es hat sich gelohnt, am Wettbewerb teilzunehmen.“

Hans-Jörg Gerste, Geschichtslehrer an der gewerblichen Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg, nimmt jedes Jahr mit seiner Realschulklasse am Schülerwettbewerb teil. Als beim zweiten Teil der Preisverleihung die Teilnehmer aus Baden-Württemberg an die Reihe kamen, berichteten seine Schüler Faruk Cetin, Hülya Balci und Selin Genc über die Arbeit an ihrem Beitrag Sie hatten sich als einzige ihrer Klasse für das Aufgabe zum slowakischen Nationalaufstand von 1944 entschieden und waren wirklich gefordert: „In unserer Bibliothek gab es kein Material dazu“, und es war ein vielschichtiges Thema, „da mussten wir uns halt durchkämpfen.“ Als Belohnung erwartete sie jetzt eine Woche Slowakei.

Zum gegenseitigen Kennenlernen blieb den Schülern und Schülerinnen beider Gruppen beim Stadtspiel und dem abendlichen Fest in der Jugendherberge ein Tag – dann trennten sich ihre Wege wieder. Für die Slowaken begann die Heimreise. Die Baden-Württemberger machten sich im Bus über Linz auf den Weg zunächst nach Bratislava. Danach wird es zum Goldwaschen in ein Minenmuseum gehen, zur Besichtigung der Zipser Burg, zur Floßfahrt in einen Nationalpark und noch mehr. „Ein spannendes Programm“, freute sich Alina Domhan aus Heubach bei der Preisverleihung, „und zum Glück gibt es auch genügend Freizeit.“

Für Reinhold Gall ist die „Neugierde auf die europäischen Nachbarn“, die die Schüler zur Teilnahme am Wettbewerb motiviert hat, ein zentraler Punkt. In seiner Begrüßungsrede betonte er, wie wichtig es für die Zukunft Europas sei, die „Gemeinsamkeiten, die uns verbinden“ zu entdecken. Europa brauche ein tragfähiges Fundament, ein Interesse an der gemeinsamen Geschichte. „Nutzen Sie die Chancen zum Austausch!“ empfahl er den Preisträgern.

Štefan Kandrač regte die Schüler und Schülerinnen dazu an, „mit eigenen Augen zu sehen“ und mehr zu entdecken, als in den Lehrbüchern stehe. Es sei heute eine wichtige Aufgabe, das von den Vorfahren errichtete „gemeinsame Haus Europa“ weiter auszubauen.

Aus Baden-Württemberg hatten sich über 3.000 Schüler am Wettbewerb beteiligt, in der Slowakei waren es rund 700. Ein ermutigendes Zeichen dafür, dass das Interesse an den Nachbarn in Europa nicht schwindet.


Rekordverdächtig

Es waren so viele Gutscheine, dass sich das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg dazu entschlossen hat, sie persönlich zu überreichen: 42 Schülerinnen und Schüler der Rupert-Mayer-Schule in Spaichingen haben beim Wettbewerb „Gemeinsam in Europa – Baden-Württemberg & die Slowakei“ Preise gewonnen.

Mit insgesamt 124 Einsendungen liegt die Rupert-Mayer-Schule bei der Zahl der Teilnehmer aus ganz Baden-Württemberg absolut an der Spitze.

Stefan Müller, Kunstlehrer, leitete die fünften bis achten Klassen bei ihrer Aufgabe an. Aus den unterschiedlichen Fragestellungen des Wettbewerbs hatte er sich für das Projekt „Jánošik“ entschieden: Der „slowakische Robin-Hood“ Juraj Jánošik sollte „großformatig für ein Suchplakat“ gestaltet werden.

Viele der verschiedenen Gesichter des Kämpfers für die Gerechtigkeit überzeugten die Wettbewerbs-Jury. Insgesamt 42 Arbeiten wurden jeweils mit einem Büchergutschein prämiert.

Im Veranstaltungssaal der Rupert-Mayer-Schule überreichte das Haus der Heimat die Preise. Schulleiterin Jutta Höss war vom Engagement und Erfolg ihrer Schüler begeistert. Es war bereits das dritte Mal, dass Stefan Müller mit Schülern am Wettbewerb teilgenommen hat, „und diese Gewinne sind natürlich ein Ansporn, das in Zukunft fortzusetzen!“


Preisträgerfahrt in die Slowakei vom 11. bis 18. Juli 2014

Zu Besuch bei den Nachbarn im Osten – von Timo Stosius

Das Innenministerium Baden-Württemberg organisiert mit dem Haus der Heimat jedes Jahr einen Schülerwettbewerb zum Thema „Gemeinsam in Europa“. Dabei gibt es verschiedene Kategorien; etwa die Beantwortung einiger Quizfragen, Schreibaufgaben zu historischen Themen oder künstlerisches Arbeiten. Wobei letzteres für einen leidenschaftlichen Schüler des Schwerpunktes Gestaltungs- und Medientechnik natürlich sehr gelegen kommt. Kernthema aller Aufgaben ist jeweils ein osteuropäischer Staat – in den letzten Jahren waren es Polen, Tschechien und Ungarn, dieses Jahr war es die Slowakei. Schüler aus diesem Land konnten ebenfalls an einem Wettbewerb zu Baden-Württemberg teilnehmen.

Eine der Aufgabenstellungen war es, Ansichten und Wahrzeichen der Slowakei im Stil der Pop Art zu kombinieren. Pop Art deshalb, weil die Familie des Amerikaners Andy Warhol, Begründer dieser Kunstrichtung, aus Miková, einer slowakischen Gemeinde, stammt. Ich wählte diese Aufgabe, machte mich an die Arbeit und suchte im Internet nach brauchbarem Fotomaterial. Dafür musste ich mich erstmal über die Besonderheiten der Slowakei informieren, ein Land, welches ich bisher weder bereist, noch von dem ich viel gehört hatte. Anschließend wurden die Bilder in Adobe Photoshop zu einer Collage kombiniert, à la Andy Warhol farblich bearbeitet und in den Maßen 60 x 40 cm gedruckt und gerahmt. Was sich schnell und einfach zusammenfassen lässt, hat in Wahrheit natürlich einige Stunden Arbeit gekostet.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt, wie ich feststellte, als ich beim googlen des eigenen Namens auf eine Liste der Gewinner des Jahres 2014 stieß und kurz darauf auch offiziell durch die Schulleitung informiert wurde. Ich war einer von ca. 20 Hauptpreisträgern, welche vom 11. bis 18. Juli eine mehrtägige Studienfahrt in die Slowakei gewonnen haben. Hier ein Auszug meines Reisetagebuches dieser recht informativen und gleichzeitig unterhaltsamen Woche:

Erster Tag: Per Mitfahrgelegenheit reise ich nach Stuttgart, wo eine feierliche Preisverleihung den Auftakt der Reise darstellt. Es gab Stau, ich hetze samt Rollkoffer vom Hauptbahnhof zum Innenministerium und komme fünf Minuten zu spät. Doch kein Problem, der Innenminister des Landes und sein slowakischer Amtsbruder aus Košice halten noch Ansprachen ehe es wirklich losgeht. Man sei froh um die grenzüberschreitenden Beziehungen, wisse das Engagement der Schüler zu schätzen und so weiter. Dann gibt’s die Urkunden, ein paar Snacks und Getränke und die Schüler dürfen mit den slowakischen Preisträgern eine Stadtrallye bestreiten (um dem Motto „Gemeinsam in Europa“ auch gerecht zu werden). Die Slowaken waren bereits eine Woche lang in Baden-Württemberg und werden am Folgetag zurück in die Heimat reisen. Gemeinsam verbringen wir noch eine Nacht in Stuttgarts Jugendherberge und dann geht es los; für die Slowaken mit dem Zug und wir fahren mit dem Bus.

Zweiter Tag: Der Busfahrer, welcher uns die gesamte Zeit begleiten wird, heißt Peter und hat echt mit einer Pechsträhne zu kämpfen. Die Abfahrt verzögert sich, da Formulare fehlen, die bei einer Polizeikontrolle jederzeit abverlangt werden können. Außer Peter werden eine Mitarbeiterin des Hauses der Heimat und ein Lehrer aus Ludwigsburg die Gruppe begleiten. Etwas verspätet geht’s dann los; wir machen Halt in München und kommen gegen Nachmittag in Linz an. Hier schauen wir das Spiel um Platz 3 der Fußball-WM und schlafen eine Nacht, da die direkte Fahrt in die Slowakei zu lang wäre.

Dritter Tag: Peters Pechsträhne setzt sich fort, es gibt Probleme mit der elektronischen Maut. Nach einigen Zwischenstopps und ergebnislosen Kommunikationsversuchen unseres Busfahrers mit slowakischen Beamten können wir weiterfahren und verbringen den Tag in Bratislava. Das Wetter in der slowakischen Hauptstadt ist schön, wir machen eine Bootsfahrt über die Donau, anschließend eine Tour durch die Altstadt. Das Wetter wird schlechter, der Reiseleiter bietet trotz Regen eine unterhaltsame Führung. Abends checken wir im Hotel ein und schauen das WM-Finale im slowakischen Fernsehen. Bis zur Halbzeit schaffe ich es, über einen Computer deutsches Radio laufen zu lassen und werde zum Held der Gruppe, die ausschließlich aus nicht-slowakisch-sprechenden Schülern besteht. Der Sieg unserer Nationalelf wird selbstverständlich ausgiebig gefeiert.

Vierter Tag: Nach dem Frühstück fahren wir nach Banská Hodruša, einem kleinen Bergdorf. Deutsche Einwanderer, mehrheitlich aus Sachsen, lehrten den Slowaken ab dem 13. Jahrhundert den Bergbau. So kommt es, dass wir auf Deutsch in einem Minenmuseum begrüßt werden. Danach dürfen wir das Goldwaschen selbst ausprobieren. Wir fahren weiter nach Banská Štiavnica, deutsch auch Schemnitz genannt, haben dort Zeit zur eigenen Erkundung und lassen uns anschließend durch das Bergwerk der Stadt führen, das heutzutage nur noch als Museum fungiert. Der nächste Stopp heißt Banská Bystrica, das Hotel liegt hier direkt neben einer großen Wiese. Zeit für Fußball und Picknick im Stadtpark, dann geht’s nach einem langen und anstrengenden Tag ab ins Bett.

Fünfter Tag: Wir fahren zu unserem nächsten Hotel nach Poprad, eine Stadt am Fuße der Hohen Tatra (dem flächenmäßig kleinsten Hochgebirge der Welt), welche mit 55.000 Einwohnern die zehntgrößte der Landes ist. Wir haben Zeit um z.B. eine Pizza zu essen. Die kostet dort übrigens circa 2,70 €. Auch sonst ist das Leben in der Slowakei relativ billig, zumindest für Touristen. Da die Löhne dort viel geringer sind als in Deutschland, haben die Einheimischen leider nicht viel davon. Insgesamt aber, so erfahren wir, habe man vom EU-Beitritt im Jahre 2004 sehr profitiert und stehe vor vielen Chancen. Als Probleme des Landes gelten das West-Ost-Gefälle, die Integration der Roma und die politische Instabilität. Man sei aber auf einem guten Weg.
Unsere Reise wird fortgesetzt. Wir besichtigen die Zipser Burg (beziehungsweise das, was davon noch übrig ist). Historiker vermuten, dass Soldaten einen Großbrand auslösten, als sie während ihrer Nachtschicht heimlich Schnaps brannten. Es geht weiter nach Levoča, eine Stadt, welche an der Kreuzung zweier wichtiger Handelswege des Mittelalters lag. Dort werden wir durch den Dom des Hl. Jakobus geführt, der mit 18,62 m den höchsten Altar der Welt vorweist. Der Tag endet zurück im Hotel in Poprad.

Sechster Tag: Peters Pechsträhne nimmt kein Ende, beim Ausparken des Busplatzes vom Hotel kriegt der Bus eine Schramme. Dieser ist übrigens von Mercedes und prahlt mit der Aufschrift „Comfort Line“; das heißt, nur drei Sitze in jeder Reihe, unendlich viel Beinfreiheit und DVD-Player.
Wir machen eine Floßfahrt auf dem Dunajec, welcher teilweise die Grenze zwischen Polen und der Slowakei darstellt, und erfahren etwas über das Leben der Flößer, die früher Holz zur Ostsee transportierten. Die Zahl kleiner angenähter Muscheln auf ihren traditionellen Hüten stand für die Baumstämme, welche die Flößer jeweils beförderten. Heute erzählt man, die Menge der Muscheln entspräche der Zahl der Freundinnen (bei unserem Flößer waren es 33). Im Piniengebirge, dem Pieniny, besuchen wir außerdem das Červený Kláštor (Rotes Kloster). Ein katholischer Männerorden musste dies im 14. Jahrhundert als Sühne für einen Mord errichten. Heute ist das Kloster berühmt für die älteste Übersetzung der Bibel ins Slowakische.
Nach der Mittagspause fahren wir weiter und besichtigen zwei Kirchen, unter anderem die Evangelische Holzkirche von Kežmarok, welche vollständig aus Holz, sogar mit hölzernen Nägeln errichtet wurde. Dann haben wir erneut Freizeit in der Stadt, zum Beispiel um uns eine Kugel Eis für schlappe 50 Cent zu holen. Die Nacht verbringen wir wieder in Poprad.

Siebter Tag: Rückreise. Um die 1000 km nach Stuttgart nicht an einem Tag zu fahren, halten wir wieder in Österreich. In Melk kommen wir in einer Jugendherberge unter und haben nochmal Zeit, um etwas Tischtennis oder Fußball zu spielen. Dann beginnt die letzte Nacht.

Achter Tag: Der Busfahrer wird nach dieser Woche in Kur gehen, es gibt wieder Komplikationen mit der elektronischen Maut. Wir müssen mitten auf der Autobahn anhalten, Peter rechnet mit einer dreistelligen Geldstrafe, da sein Mautgerät nicht zu funktionieren scheint. Nach einigen Telefonaten ist die Sache geklärt und wir können weiterfahren. Bei einer Außentemperatur von 34° C erreichen wir – im gekühlten Bus – gegen späten Nachmittag den Stuttgarter Hauptbahnhof, verabschieden uns und verabreden uns zu einem Nachtreffen. War eine tolle Woche voll Informationen, Spaß und neuen Bekanntschaften.





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