ZEITZEUGEN

Zeitzeugengespräch und Workshop

Im Rahmen der Ausstellung „Die Sudetendeutschen Sozialdemokraten“ vom 11.6.2013 bis 24.7.2013 fand im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg ein Zeitzeugengespräch statt.

„Solange mein Gehirn noch funktioniert, benutze ich es auch.“ Olga Sippl, Jahrgang1920, hält immer wieder Vorträge und führt Gespräche, um die Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegsjahre, die sie in Karlsbad erlebte, weitergeben zu können und damit lebendig zu erhalten.

So auch im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg vor Schülern des Winnender Georg-Büchner-Gymnasiums. Die jungen Leute hörten der Antifaschistin und Zeitzeugin gebannt zu.

Vor ihren Augen entstanden Bilder einer Zeit, in der Arbeitssicherheit ein Fremdwort war und in den Karlsbader Porzellanfabriken unter fürchterlichen Bedingungen produziert wurde. So bekamen die Ideen der Sozialdemokratie Nahrung, auch Olga Sippl engagierte sich in der Arbeiterbewegung.

Als 1933 zahlreiche Sozialdemokraten vor den Nazis aus Deutschland in die Tschechoslowakei flohen, unterstützten sie Genossen wie Olga Sippl tatkräftig. Sie waren erklärte Gegner des Hitler-Regimes.

Olga Sippl erzählte von ihrer ersten Arbeitsstelle in Prag ab 1938, von der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten, von gefahrvollen Zeiten, in denen sie mithalf, die sozialdemokratische Zeitung „Vorwärts“ von Karlsbad nach Deutschland zu schmuggeln, und von ihrem Engagement nach Kriegsende im Karlsbader Antifa-Büro. 1946 wurde sie mit vielen anderen Sudetendeutschen Sozialdemokraten ausgesiedelt.

Eine solche Form der Geschichtsvermittlung wirkt eindringlich und beschäftigt nachhaltig. Nach dem Gespräch arbeitete die Gruppe das Thema unter Anleitung zweiter Mitarbeiter des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg in zwei Workshops auf.