November 2017

Debora Vogel
Die Gemetrie des Verzichts
Gedichte, Montagen, Essays, Briefe

Aus dem Jiddischen und Polnischen übersetzt und hrsg. von Anna Maja Misiak

»Debora Vogel, eine faszinierende europäische Schriftstellerin der Avantgarde und emanzipierte Intellektuelle, dass sie heute fast unbekannt ist, ist eigentlich nur dadurch zu erklären, dass sie ausgerechnet Jiddisch zur Literatursprache wählte, sich unter Männern zu behaupten hatte, in der galizischen Provinz schrieb, und dass ihr gewaltsamer Tod 1942 ihrem Schaffen ein Ende setzte. Nur der innigen Freundschaft mit dem heute weltberühmten Bruno Schulz (1892–1942) ist es zu verdanken, dass ihr Name nicht gänzlich in Vergessenheit geriet.

Ihre beiden Gedichtsammlungen Tagfiguren (1930) und Schneiderpuppen (1934) sind hier auf Jiddisch – in Umschrift – und in der Übersetzung zu lesen. Vogels Lyrik spiegelt ihre Faszination für geometrische Figuren wider, drückt Liebesverluste oder ihr wachsendes Unbehagen mit dem Kapitalismus aus. Ihre Großstadtgedichte fangen urbane Bilder aus Paris und Berlin ein. Ihrem Lebensmittelpunkt Lwów (Lemberg) und ihren familiären Wurzeln spürte sie 1937 in einem Essay nach.

Ihre experimentellen Montagetexte Akazien Blühen (1935) waren den meisten Zeitgenossen zu entindividualisiert, handlungsarm und scheinbar intentionslos. Vogels Essays zeigen die Modernität und Breite auch ihres theoretischen Schaffens. Darin beschäftigte sie sich neben soziologischen Themen – so dem Judenhass – intensiv mit Kunst (Chagall, Witkacy, Malevic, Henryk Streng, B. Schulz), Film und Literatur, so u. a. mit D. H. Lawrence, Thomas Mann, Brecht, B. Traven, E. Lasker-Schüler, Céline, Rudolf Brunnngraber. Vogels Poetik und die Hürden des Literaturbetriebs teilen sich in ihren Briefen mit, u. a. an Bruno Schulz oder die Vertreter der jiddischen Moderne in New York. Mit dieser Ausgabe ist Debora Vogel erstmals angemessen auf Deutsch zu entdecken. «

(Klappentext)


Pressestimmen

» Ich bin mir fast sicher, dass dieses Buch einen der drei Hotlistpreise der unabhängigen Verlage bekommen wird, (…) Vielleicht sogar einen Preis für philosophische Ästhetik, und nicht nur, weil es auch kühne theoretische Texte enthält und zeitgenössische Auseinandersetzungen, die sich kaum heutiger lesen können. «
Jan Kuhlbrod, Signaturen


» Auf jeder Seite dieses inspirierenden Lesebuchs sieht man sich mit Formen und Farben konfrontiert, für Debora Vogel die „Seele und Sprache der Dinge“. «
Katrin Hillgruber, Der Tagesspiegel, Kultur


»Diese Texte faszinieren, aber sie irritieren auch durch Wiederholungen, Wortschatzverknappung und die immer wieder auftauchenden vermenschlichten Farben, Objekte und Dinge. Gerade über diese gesteigerte und forcierte Monotonie ihrer Texte vermag Debora Vogel jedoch ausserordentlich früh die Folgen unserer selbstoptimierenden Moderne treffsicher zu beschreiben. «
Annette Werberger, Neue Zürcher Zeitung


»Ein großartiges Werk europäischer Literatur.«
Sophie Weilandt, ORF TV




Debora Vogel: Die Geometrie des Verzichts - Gedichte, Montagen, Essays, Briefe. Aus dem Jiddischen und Polnischen übersetzt und hrsg. von Anna Maja Misiak. Wuppertal: Arco, 2016, ISBN 978-3-938375-61-7

Quelle : Arco Verlag