Dezember 2016

Andrzej Stasiuk

Der Osten

Aus dem Polnischen von Renate Schmidgal

Zurück von der Reise, lauscht Andrzej Stasiuk des Nachts hinaus in die Weite: Was ist das, der Osten, dieses »Reich der Wunder«, das ihn magisch anzieht? Dieses Kontinuum, dessen Erschütterungen von Kamtschatka bis an die Elbe zu spüren sind. Ostpolen, die Heimat, aus der seine Eltern vertrieben wurden? Der Osten namens Sowjetkommunismus, dessen Präsenz die Gesellschaft, in der er aufwuchs, kontaminiert hatte?

Dies ist Stasiuks großes Buch über »den Osten«: Eine Summe seines Reisens und Schreibens – eine Selbstbefragung. Niedergelegt in einem epischen Strom, hinreißend erzählten Episoden und Epiphanien. Nie hat er bitterer über den »deutschen Osten« im eigenen Land geschrieben: jenes Territorium, auf dem die Nazis Gaskammern errichteten.

„Ich muss mich überzeugen, dass meine Geschichte Teil eines größeren Ganzen ist“. Aus der Vogelschau blickt Stasiuk auf sein Leben, das Gewirr aus Wegen und Routen, in dem ein Kindertraum von China sich mit dem Glücksgefühl in der Wüste Gobi kreuzt. Osten – so könnte eine Quintessenz des neuen Buches lauten – ist keine Himmelsrichtung, sondern die Verheißung einer Dimension jenseits der vom Grauen der Vergangenheit unterminierten europäischen Landschaften. Wie Stasiuk die Strahlkraft der Transzendenz beschwört, erinnert an die poetische Kraft der Welt hinter Dukla – nur dass diese Welt weiter geworden ist.

(Klappentext)


Pressestimmen

»In Stasiuks neuem Buch ... bleibt das Geheimnis um die eigenwillige Art seines Schreibens, seinen besonderen Aufmerksamkeitstypus bestehen.«
Hans-Peter Kunisch, Süddeutsche Zeitung


»… temporärer und kostbarer Sieg des sterblichen Individuums über die Zeitlosigkeit des Vergessens und die grauenhafte Indifferenz menschenleerer Räume. Was für ein Buch!«
Marko Martin, Die Welt


»Mit beeindruckender sprachlicher Kraft und genauer Beobachtungsgabe nimmt Stasiuk die Leser mit ... «
Karen Schröder, Freie Presse


»… ein elegisches Meisterwerk ...«
Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung


»… eine poetische-sensible und analytisch-vielschichtige Betrachtung darüber, wie sich Geschichte in Materie transformiert und wie diese Materie bis heute die Identität von Menschen formt.«
Mirko Schwanitz, NDR


»Ein wunderbares Buch ...«
Wien Spiegel 2/2016


»Mit einer grandiosen Sprache – von Renate Schmidgall bestens in Deutsche übertragen – beweist Stasiuk einmal mehr seine Virtuosität.«
Thomas Mahr, Lesart 1/2016


»›Der Osten‹ ist wieder ein großartiges Buch von Stasiuk, eine wahre Lesefreude; insbesondere für all jene, für die Poesie und Minimalismus, Reisen und Heimat, Endlichkeit und stoische Lebensfreude hervorragend gut zusammenpassen.«
Anne-Kathrin Weber, leserleben.blogspot.de, 24.08.2016



Andrzej Stasiuk: Der Osten – Roman. Aus dem Polnischen von Renate Schmidtgall
Berlin: Suhrkamp, 2016, ISBN: 978-3-518-42535-0

Quelle: http://www.suhrkamp.de





November 2016

Eva Umlauf, Stefanie Oswalt

Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen

Erinnerungen

„Ich muss die Erinnerung finden,
um zu wissen, wer ich bin.“

„Vergessen Sie das Kind, es wird nicht leben.“ Diese Worte erschüttern Eva Umlaufs Mutter Anfang 1945 in Ausschwitz. Aber die Prognose wird sich als falsch erweisen, die zweijährige Eva überlebt und führt jahrzehntelang ein erfülltes Leben mit Höhen, Tiefen und Schicksalsschlägen. Sie wächst in der Tschechoslowakei auf, heiratet 1966 und folgt ein Jahr später ihrem Mann nach München. Sie wird Mutter dreier Söhne und ist erfolgreich als Kinderärztin und Psychotherapeutin tätig. Doch tief in ihrem Innern ist das Trauma ihrer Kindheit, über das in ihrer Familie geschwiegen wurde, stets präsent. Lange Zeit verdrängt sie die Auseinandersetzung mit den Erinnerungen und den Gefühlen der Fremdheit und Heimatlosigkeit. Erst als Eva Umlauf einen Herzinfarkt erleidet, findet sie den Raum, sich der Vergangenheit zu stellen. Sie begibt sich auf eine Reise zu sich selbst, sucht nach den Spuren ihrer ermordeten Familie und bekennt sich 2011 in Auschwitz schließlich öffentlich als Überlebende des Holocaust.

(Klappentext)


„Solange man Traumata nicht verarbeitet, gibt man sie generationsübergreifend weiter, das gilt für die Opfer wie die Täter. Ich habe an meiner Traumatisierung gearbeitet, und mir hat auch geholfen, dieses Buch zu schreiben. Früher war ich stolz auf meine Kinder, wenn sie eine Eins in Latein hatten. Jetzt sind sie stolz, dass ich dieses Buch geschrieben habe.“ Eva Umlauf



Pressestimmen

»Die Aufarbeitung der Familiengeschichte kann Heilung bedeuten, weiß sie aus ihrer Arbeit als Psychotherapeutin. Die intensive Spurensuche hat das eigene familiäre System in Bewegung gebracht. Sie und ihr mittlerer Sohn sind sich wieder näher gekommen. „Allein dafür hat es sich gelohnt.«
Wormser Zeitung - Daniela Noak


»Unter all den intimen Erinnerungen aber ist stets das verdrängte Trauma des Todeslagers zu spüren. Es wird persönlich zur Sprache gebracht und trägt so wohl am besten zur Aufarbeitung bei.«
Norbert Mayer, Die Presse, 30.08.2016


»Umlauf gelingt es, ihre mehrjährige Recherche als lebendige Reportage aufzuschreiben.«
Potsdamer Neueste Nachrichten, 08.04.2016


»Eine vielschichtige Autobiografie [...], die weit über das Einzelschicksal ihrer Familie hinausgeht.«
Astrid Herbold, Der Tagesspiegel, 06.04.2016



Eva Umlauf, Stefanie Oswalt: Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen: Erinnerungen. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2016, ISBN 9783455503708





Oktober 2016

Daša Drndić

Sonnenschein

Aus dem Kroatischen Brigitte Döbert und Blanka Stipetic
Roman

Eine Mutter wartet auf ihren Sohn. 62 Jahre zuvor ist er von den Nazis aus Gorizia in der Nähe von Triest entführt worden. Hier hatte sie als junges Mädchen eine Affäre mit einem SS-Offizier. Anders als der Rest ihrer jüdischen Familie hat sie überlebt - und jahrzehntelang nach ihrem Sohn gesucht. Bei ihrer Suche stößt sie auf andere Schicksale, liest Zeugenaussagen, betrachtet Fotos und Erinnerungsstücke.

Daša Drndić zeigt die Mechanismen des Bösen auf, führt vor, wie aus gewöhnlichen Menschen Verbrecher wurden und schreibt gegen das Vergessen und die Versuschung an. Sie beschwört die Vergangenheit herauf und verflucht in Sebaldscher Manier Fakt und Fiktion, um sich dem zu nähern, was die Wahrheit sein könnte.

(Klappentext)


Pressestimmen

»Daša Drndić gibt die Autorität des objektiven Erzählers auf und bringt viele verschiedene Wahrheiten zum Sprechen [...]. In diesem Sinn handelt es sich bei "Sonnenschein" auch um eine Überschreitung üblicher Buchformate. Beeindruckend ist das allemal.«
Sabine Scholl, Die Presse, 17.10.2015


»[...] Eine Überschreitung üblicher Buchformate. Beeindruckend ist das allemal [...] und gewinnt so hoffentlich Aufmerksamkeit.«
Die Presse, 17.10.2015


»Mit einem kühnen Roman über die Fluchtgeschichte einer jüdischen Familie aus Görz setzt Daša Drndić, der Dokumentarliteratur neue Maßstäbe.«
Kurt Neumann, Der Standard, 17.10.2015


»Ein großes Werk voller Namen und Geschichte, Trauer und Wut.«
Deutsche Wellle, 30.06.2015


»Die Gestaltung schwankt zwischen Faktischem und Fiktivem, präsentiert in einem Sprachgestus, der oft enthemmt daherkommt, aber gerade deswegen den Leser wie in einer Umklammerung festhält.«
Wolf Scheller, Hessische Allgemeine, 22.05.2015


»Dieses Buch ist unerträglich bis zum Schmerz, radikal und den Leser fordernd, furchtlos zudem wie alles, was von dieser Autorin kommt.«
Marica Bodrozic, ORF "Ex libris", 22.03.2015


»Ein einzigartiges Buch, geschrieben in einer Sprache der Verzweiflung, die sich immer wilder dreht. Familienroman, Protokoll, historischer Traktat, impressionistisches Stadtbild: ein Meisterwerk.«
Karl-Markus Gauss, SZ, 10.03.2015


»Die inhaltliche Gestaltung schwankt zwischen Faktischem und Fiktivem, präsentiert in einem Sprachgestus, der oft enthemmt daherkommt, aber gerade deswegen den Leser wie in einer Umklammerung festhält.«
Jüdische Allgemeine, 19.03.2015


»Großartig bedrückend.«
Kölner Stadt-Anzeiger, 16.03.2015


»Dieses Buch ist eine Sensation!«
Salzburger Nachrichten, 21.02.2015


»Auch siebzig Jahre nach Auschwitz gilt: Es gibt noch viele dieser Geschichten zu erzählen.«
Tomasz Kurianowicz, FAZ, 12.02.2015



Daša Drndić: Sonnenschein – Roman
Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert und Blanka Stipetic. Hamburg, Hoffmann und Campe, 2015. – 397 S. ISBN 978-3-455-40516-3

Quelle: http://www.hoffmann-und-campe.de





September 2016

Christoph Hein

Glückskind mit Vater

Roman

»Du warst mein Glückskind, Junge, denn da ich mit dir hochschwanger war, wagte der russische Offizier nicht, mich abführen zu lassen.«

Was verdankt ein von der Mutter »Glückskind« genannter Sohn dem Vater? Der ist in dem neuen Roman, in dem Christoph Hein alle Register seiner erzählerischen Kunst und seiner geschichtsdiagnostischen Kompetenz entfaltet, eine unausweichliche Antriebskraft. Jedoch in einem alles andere als positiven Sinn: Der Sohn, in der entstehenden DDR lebend, muss seit seiner Geburt im Jahr 1945 vor dem kriegsverbrecherischen toten Vater sein ganzes Dasein im Fluchtmodus zubringen: psychisch, physisch, beruflich, geographisch, in Liebesdingen.

Es gibt zahlreiche Versuche, aus dem Schatten des Vaters herauszutreten: Er nimmt einen anderen Namen an, will in Marseille Fremdenlegionär werden, reist kurz nach dem Mauerbau wieder in die DDR ein, darf dort kein Abitur machen, bringt es gleichwohl, glückliche Umstände ausnutzend – Glückskind eben –, in den späten DDR-Jahren bis zum Rektor einer Oberschule – fast.

Am Ende erkennt er: Eine Emanzipation von der allgemeinen und der persönlichen Geschichte ist zum Scheitern verurteilt. Durch solche Verkettung von Vergangenheit und Gegenwart wird aus dem Glückskind ein Unheilskind. Gerade dadurch verkörpert er wie in einem Brennspiegel bis ins kleinste Detail die unterschiedlichsten Gegebenheiten Deutschlands in den politischen, gesellschaftlichen und privaten Bereichen. Ironisch-humoristisch, anrührend, ohne Sentimentalität oder Sarkasmus erzählt Christoph Hein ein beispiellos-beispielhaftes Leben in mehr als sechzig Jahren deutscher Zustände.

(Klappentext)


Pressestimmen

»... ein Abenteuerroman der besonderen Art, aus dessen gut 500 packenden Seiten es kein Entrinnen gibt.«
Katrin Hillgruber, Der Tagesspiegel


»Christoph Hein hat einen großen klugen, einen packenden Roman über die Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg bis in unsere Gegenwart geschrieben ...«
Rose-Maria Gropp, Frankfurter Allgemeine Zeitung


»Glückskind mit Vater ist ein Roman in Sepia, eine Dystopie des Politischen und des Privaten ... Es sind die Menschen eines bis zur Kenntlichkeit entstellten Staates, die diesen Roman lebendig machen ... Das ist Schwejk und Döblin, und Christoph Hein bevölkert seinen ganzen Roman mit solchen Chargen.«
Paul Jandl, DIE WELT


»[Christoph Hein] versteht sich als Chronist, erzählt dicht an der Realität, bewegt sich im Steinbruch der eigenen Biographie und verdichtet 45 Jahre deutsche Geschichte bis zur Wende 89 ...«
Cornelia Zetzsche, BR2 Kultur aktuell


»Ein großer deutscher Roman.«
Christian Buß, Spiegel Online


»Christoph Hein gelingt mit diesem Buch ein Kunststück: ein Deutschlandroman, der sich über Partien als jeweils eigenes Lebensbuch lesen lässt.«
Christian Eger, Berliner Zeitung


»›Glückskind mit Vater‹ ... ist wirklich ›der neue große Deutschland-Roman‹ ...«
Südkurier


»Ein großer Roman von einem großen Erzähler.«
myself



Hein, Christoph: Glückskind mit Vater Roman.
Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2016 ISBN 978-3-518-42517-6

Quelle: http://www.suhrkamp.de





August 2016

Angela Bajorek

Wer fast nichts braucht, hat alles

Janosch
Biographie

»Ich werde niemals mehr jemandem so viel über mich sagen.« — Janosch zu seiner Biografin Angela Bajorek

Oh, wie schön ist Panama, Tigerente und der kleine Bär — Janosch ist der bekannteste deutsche Kinderbuchautor. Sein Werk umfasst über 300 Bücher, übersetzt in 40 Sprachen. Über ihn selbst weiß man nur wenig. Angela Bajorek ist es gelungen, von Janosch Einblicke in sein bewegtes Leben zu erhalten.

In seinen Kinderbüchern erschuf er phantastische Welten — und damit einen Kontrast zu seiner eigenen schwierigen Kindheit. Janosch, 1931 im oberschlesischen Hindenburg (heute Zabrze) als Horst Eckert geboren, haben die Gewalterfahrungen zu Hause, der prügelnde Vater, die gefühlkalte Mutter, in der Jesuitenschule und die der Hitler-Jugend Kameraden, zu einem Traumsucher gemacht und zu einem zwischen Humor und Sarkasmus schwankenden Eigenbrötler. Einen Neuanfang gibt es nach Kriegsende in Norddeutschland, wo Janosch eine Lehre zum Textilzeichner macht und schnell merkt, dass er viel mehr will. Also geht er nach München und bewirbt sich an der Akademie der Bildenden Künste - und scheitert.
Doch zum Glück gibt Janosch nicht auf. Er macht sich allein auf den beschwerlichen Weg, um Künstler zu werden.
In ihrer einfühlsamen Biographie präsentiert Angela Bajorek Janosch als faszinierenden Künstler, aber auch als ungewöhnlichen, durch Krankheiten gezeichneten und dennoch optimistischen Menschen — als einen Mann, der nach einem aufregenden Leben heute große Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.

(Klappentext)


Angela Bajorek ist Germanistin und lehrt am Neuphilologischen Institut der Pädagogischen Universität Krakau. Für ihre Habilitationsarbeit über Janosch begann sie an den Originalschauplätzen und in Archiven zu forschen. Schließlich tauschte sie über 900 E-Mails mit Janosch aus und besuchte ihn zweimal auf Teneriffa.



Pressestimmen

»Die polnische Hochschuldozentin Bajorek taucht tief in Janoschs Leben ein. Damit ist ihr Außergewöhnliches gelungen, denn der Schriftsteller lebt sehr zurückgezogen auf Teneriffa. Er mag keine Journalisten (…)"Seine Kinderbücher sind das Gegenbild von dem, was er erlebt hat", sagt Angela Bajorek.«
Kirstin Haug – Spiegel-online


»ein dichtes, lesenswertes Porträt«
Deutschlandradio Kultur, 22.03.2016


»Das Porträt des berühmten Kinderbuchautors, das Bajorek präzise, einfühlsam und facettenreich zeichnet, sollte man unbedingt lesen«
Deutschlandfunk, 22.03.2016


»Ein Buch, das wie keines zuvor über das Leben Janoschs Auskunft gibt.«
Berliner Zeitung 22.03.2016



Angela Bajorek: Wer fast nichts braucht, hat alles – Janosch Biographie. Berlin Ullstein Verlage, 2016

Quelle: www.ullsteinbuchverlage.de





Juli 2016

Catalin Dorian Florescu

Der Mann, der das Glück bringt

Roman

Ray und Elena lernen sich in einer dramatischen Nacht in New York kennen. Sie ist eine Fischerstochter aus dem Donaudelta, er ein erfolgloser Künstler, der noch an den Durchbruch glaubt. Sie muss die Asche ihrer Mutter nach Amerika bringen, er will erreichen, was sein Großvater für sich erhoffte. Ihre geheimnisvollen Lebenswege finden in jenem Augenblick zusammen, als sie sich entscheiden können, einander erzählend zu vertrauen. Ihre Familiengeschichten führen den Leser in die Welt New Yorks vor hundert Jahren und in das magische Universum des Donaudeltas. In seinem spannenden, an Fabulierlust und Überraschungen reichen Roman, der von 1899 bis in die Gegenwart reicht, lässt Catalin Dorian Florescu zwei Erzählstimmen abwechselnd zu Wort kommen. So entsteht das Bild eines fantastischen und harten Jahrhunderts zwischen dem Schwarzen Meer und der amerikanischen Metropole. Ein Roman voller Tragik und Komik, der gleichzeitig eine literarische Reverenz an die Fähigkeit des Menschen ist, sein Glück zu suchen, zu überleben und allen Widrigkeiten zum Trotz zu lieben.

(Klappentext)


Pressestimmen

»Ein dichter, kunstvoll konstruierter und zugleich ambivalenter Roman, der durch die erzählerische Kraft und Imagination des Autors fasziniert«
Gerhild Wissmann, Die Rheinpfalz, 23. April 2016


»Ein couragierter, inbrünstiger Erzähler«
Rainer Moritz, NZZ, 3. Mai 2016


»Ein Genuss!«
Ulrich Dombrowsky, Das Magazin, Frühjahr 2016


»Ein Plädoyer für unsere Geduld, unsere Toleranz, unsere Liebe«
Mirko Schwanitz, WDR 5, 25. April 2016


»Ein intelligentes, stellenweise erschütterndes Buch«
Marco Puschner, Nürnberger Zeitung 23. April 2016


»Faszinierend, mit dem Menschen aus ganz einfachen Verhältnissen die damalige Welt lesend zu erleben«
Friederike Wagner, Merkur.de, 23. April 2016


»Der Autor versteht es glänzend, Kulturtopographie und Kulturgeschichte in der Erlebnis-Perspektive seiner Figuren glaubhaft lebendig werden zu lassen«
Bernhard Walcher, Literaturkritik, 19. April 2016


»Ergreifende Geschichte, aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt«
Morgenpost, 20. März 2016


»Ein Roman voller Komik und Tragik«
Der neue Tag, 18. April 2016


»Außergewöhnlicher Erzähler mit Blick für Geschichten, die bleiben«
Simone Schlosser, SWR2, 17. April 2016


»Ein Schelmenroman voller Überraschungen«
Esther Schneider, SRF2 Kultur, 31. März 2016


»Lebenspralles Erzählfeuerwerk«
Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 27. März 2016


»Florescus neuer Roman ist in berührend schöner Sprache geschrieben«
Michael Ernst, SAX, März 2016


»Dramatisch und bewegend (...) entfaltet dieses Buch eine geradezu magische Sogwirkung, so dass man es bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen möchte«
Thomas Gärtner, Dresdner Neueste Nachrichten, 19. März 2016


»Ein kontrastreiches Sittengemälde vom New York der Jahrhundertwende«
Lena Panzer-Selz, Lesart, 2016


»Das lange Warten auf ein neues Werk dieses tollen Erzählers hat sich gelohnt«
Lesen, Heft 1, 2016


»Ein wunderbarer Fabulierer«
Susann Sturzenegger, SRF 2, 12. Februar 2016


»Spannender, an Fabulierlust und Überraschungen reicher Roman«
Sebastian Laux, Rhein-Main Magazin, 2016


»Florescus Panorama zweier Welten ist satt an kräftigen Farben und beglückend reich an Lebenswillen«
Martin Oehlen, Kölner Stadt-Anzeiger, 4. März 2016


»Seine Romane sind Geschichten einer Wanderung, sind Seelenerkundungen, Herzenströstungen, Expeditionen in versunkene Zeiten, vergessene Regionen, links und rechts der Donau«
Alexander Kissler, Cicero, März 2016


»Eine anrührende Geschichte«
Hellweger Anzeiger, 27. Februar 2016


»Beeindruckend«
Erika Achermann, St. Galler Tagblatt, 23. Februar 2016


»Florescus Erzählfuror kann man sich schwer entziehen«
Ulrike Baureithel, Tagesspiegel, 25. Februar 2016


»Ein menschenfreundliches Buch, das die Leser für seine Figuren einnimmt und sie in ferne, fremde Milieus führt«
Martin Ebel, Der Bund, 16. Februar 2016


»Ein Jahrhundertpanorama aus Sicht der kleinen Leute«
Stephan Lohr, Spiegel Online, Februar 2016


»Florescu gelingt in "Der Mann, der das Glück bringt" historisch fundiertes, aber äusserst fantasievolles Schreiben«
Markus Wüest, Basler Zeitung, 9. Februar 2016


»Dies ist ein Roman, der es nicht nur verdient, sondern auch verlangt, mehr als einmal gelesen zu werden.«
Undine Materni, Sächsische Zeitung, 8. Februar 2016



Catalin Dorian Florescu: Der Mann, der das Glück bringt, Roman, München, Beck, 2016

Quelle: http://www.chbeck.de





Juni 2016

Matthias Nawrat

Die vielen Tode unseres Opas Jurek

Roman

Viele Tode musste Opa Jurek in seinem Leben sterben: im besetzten Warschau, nachts auf der Straße, wo er in der Sperrstunde zwei deutschen Soldaten in die Arme läuft. In der „weltberühmten“ Ortschaft Oświęcim, in der er als Zwangsarbeiter den Todeshunger kennenlernt. In Opole, der vom Krieg zerstörten Stadt auf dem Mond, wo er vor den leeren Regalen seines Lebensmittelgeschäfts Nr. 6, noch immer sterbenshungrig, von Delikatessen und mehrgängigen Mittagessen träumt. Und auch, als er schon längst mit Oma Zofia verheiratet ist und ihre Tochter sich in einen schulbekannten Delinquenten und Sohn regimekritischer Eltern verliebt, der sie nach Kanada entführen will … Denn da steigt Opa Jurek, inzwischen Direktor eines Warenhauses, für kurze Zeit zum erfolgreichsten Delikatessenverkäufer von Opole auf – und findet sich, scheinbar unschuldig, in der Todesdunkelheit einer Zelle wieder.

Matthias Nawrats herzzerreißend traurige, schaurig-komische Familiengeschichte verbindet Alltag und Politik, Straßenwitz und Kriegserfahrung, Autobiographisches und Fiktion zu etwas, das stärker nachwirkt als jede romanhafte Biographie: dem Schelmenroman eines polnischen Großvaters, der – die Gräuel des Krieges und des Totalitarismus herabmildernd und die eigene Heldenrolle auffrisierend – Geschichten erzählt, die gerade im Begriff sind, Geschichte zu werden. Ein lebendiger, an Zwischentönen reicher, aber auch abgründiger Roman über eine Familie vor dem Hintergrund der Geschichte Polens und Europas im 20. Jahrhundert.
(Klappentext)


Pressestimmen

»Ein entwaffnend frischer Blick auf Glück, Grausamkeit, Ödnis und das Unerklärliche in der Welt.«
Jeanette Villachica, Stuttgarter Zeitung


»Ein klassischer Schelmenroman, der sich Großes vornimmt: nicht mehr und nicht weniger die ganze Geschichte Polens, vor allem die des 20. Jahrhunderts, am Beispiel eines gewissen Opa Jurek zu erzählen. Ein bedenkliches Wagnis, doch nach der Lektüre stellt man verwundert fest, dass Nawrat nahezu Unmögliches gelungen ist. … Aber das große Thema dieses an die erzählerische Kühnheit von Knut Hamsun erinnernden Romans ist auch der Hunger.«
Artur Becker, Frankfurter Rundschau


»Kann ein Roman die zerrissene Geschichte eines Landes erzählen und zugleich ein berührendes Schicksal beschreiben? Kann eine Erzählung sowohl tragisch sein als sich tragikomisch der Katastrophe widersetzen? Matthias Nawrat beweist im Roman Die vielen Tode unseres Opas Jurek, dass all dies möglich ist. Noch nie ist es einem Autor gelungen, die neuere Geschichte Polens derart klug in einer Mischform aus Witz und Tragik erzählerisch zu verdichten. Gerade in der Gratwanderung gewinnt dieses großartige Buch seine volle verstörende Kraft.«
Tomasz Kurianowicz, Frankfurter Allgemeine Zeitung


»Schon wieder eine Leidensgeschichte über totalitäre Herrschaft lesen? Doch, unbedingt. Der neue Roman von Matthias Nawrat ist überaus lesenswert. Der Ton macht die Musik. Hier gelingt ein Schelmenroman auf hohem Niveau.«
Christine Richard, Basler Zeitung


»Als hätte ihm Roberto Benigni über die Schulter geblickt … Nur dass sein La vita è bella noch weiter geht. Immer tiefer dreht [Matthias Nawrat] die Schraube der Absurdität ins Gefüge des Textes ein, indem er verschiedene Geschichten gegeneinander setzt, mit Tautologien und Widersprüchen, mit semantischen Verschiebungen und kleinen Sprachspielen arbeitet. … Und doch gelingt es ihm, die Geschichten von Opa Jurek in all ihren sinnlichen Einzelheiten und erzählerischen Verschattungen aufzufalten.«
Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung


»Den Lesern, die Matthias Nawrat auf einen faszinierenden Streifzug durch das Polen des 20. Jahrhunderts mitnimmt, verschafft der besondere Humor ungewöhnliche Leseerlebnisse – bei denen einem das Lachen oft im Halse steckenbleibt.«
Stephanie Rupp, Nürnberger Zeitung


»Matthias Nawrat führt auf mindestens doppelbödige Weise vor Augen, mit welcher Macht Sprache unsere Vorstellung der Wirklichkeit formt. Mit Die vielen Tode unseres Opas Jurek, der von einer herrlichen Komik ist, bisweilen von einer sanft tänzelnden Ironie strahlt und der nur so Funken schlägt vor Fabulierlust, hat er nicht zuletzt eine Liebeserklärung an seine Heimat mit all ihren Absonderlichkeiten und dunklen Seiten geschrieben.«
Wiebke Porombka, NZZ am Sonntag


»In der traurigen und zärtlichen Kinderstimme hallen viele andere, nicht zuletzt die eines Imre Kertész, nach.«
Bernadette Conrad, St. Galler Tagblatt


»Die kindliche Sprache ist ein brillanter Trick von Matthias Nawrat. Sie beschönigt und gleitet mitunter fast ins Märchenhafte ab. Das macht die traurigen Fakten leichter verdaulich. Die vielen Tode unseres Opas Jurek ist gewissermaßen die polnische Version des italienischen Films La vita è bella. Zum Lesen ist das ein großes Vergnügen.«
Michael Gurtner, Berner Zeitung


»Der Griff nach dem Buch lohnt sich. Unbedingt.«
Lilian Klement, Freies Wort


»So bewegend … wie die Geschichte Polens im vergangenen Jahrhundert. … die groteske Perspektive Jureks, durch die der Erzähler die welthistorischen Ereignisse spiegelt, [verleiht] diesem Schelmenroman seinen herzzerreißenden Charme.«
Johannes Balle, Kölner Stadt-Anzeiger


»Herzzerreißend komisch und tieftraurig.«
ORF FM4



Nawrat, Matthias: Die vielen Tode unseres Opas Jurek Roman.
2015 Rowohlt, Reinbek, ISBN 978-3-498-04631-6

Quelle : http://www.rowohlt.de/hardcover/matthias-nawrat-die-vielen-tode-unseres-opas-jurek.html





Mai 2016

Dalia Grinkevičiūtė

Aber der Himmel - grandios

Aus dem Litauischen von Vytene Muschick

Nach der Annektion Litauens 1941 wird Dalia Grinkevičiūtė zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von den Sowjets nach Sibirien deportiert. Ihre Jugendjahre verbringt sie in der Verbannung im Altai Gebiet und in der Arktis. 21-jährig gelingt Grinkevičiūtė die Flucht. Zurück in Litauen schreibt sie ihre Erinnerungen an die Verbannung in großer Eile auf lose Blätter und vergräbt sie aus Angst vor der Entdeckung durch den KGB in einem Einweckglas im Garten. Kurz darauf wird sie vom KGB verhaftet und erneut deportiert. Nach ihrer Entlassung bleiben die Erinnerungen verschollen, erst nach Dalia Grinkevičiūtės Tod werden die Aufzeichnungen wie durch ein Wunder 1991 gefunden. Die lose Blattsammlung ist zu einem der wichtigsten Dokumente der litauischen Geschichte geworden und zeigt mit ungeheurer Sprachgewalt das Schicksal eines 14-jährigen Mädchens in der Verbannung auf.

Pressestimmen

»Dalia Grinkeviciute entwickelt für ihren Bericht von der Auslösung der Menschlichkeit nach sowjetischem Plan eine ungeheure Sprachkraft, der man sich nicht entziehen kann. [...] Es ist keine pathetische Heldengeschichte, eher eine der fortwährenden Empörung und Selbstbehauptung, ein literarisches Dokument, wie es nur wenige gibt.«
Regina Mönch, FAZ, 18.02.2015


»Die Erinnerungen von Dalia Grinkeviciute, die sie im Alter von 23 verfasste, unmittelbar nachdem sie aus der Verbannung nach Litauen zurückkehrte, gehören heute zum litauischen Nationalerbe. In diesem Jahr erschienen sie erstmals vollständig in deutscher Übersetzung.«
Friederike Kenneweg, Spiegel Online, 17.11.2014


»›Aber der Himmel - grandios‹ ist ein erschütterndes historisches Dokument, aber auch ein eminentes literarisches Zeugnis.«
Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2014


»Im Kampf ums Überleben setzte jeder Deportierte verschiedene Strategien ein. Die beschriebenen Situationen sowie ihre Wortwahl sind so eindrucksvoll, dass jeder Satz bis ins Knochenmark trifft.«
Eva Arnaszus, Kritische Ausgabe Plus, 18.09.2014


»Die Aufzeichnungen Dalia Grinkevičiūtės sind nicht nur ein erschütternder Bericht über das Leben im Gulag, sondern in ihrer anschaulichen, unprätensiösen Schilderung des Alltags auch ein lebendiges Zeugnis vom Überlebenswillen und der menschlichen Größe der Autorin.«
Jürgen Israel, Glaube + Heimat, 03. August 2014


»›Aber der Himmel - grandios‹ sollte nicht nur in Litauen Schullektüre sein.«
Erika Achermann, St. Galler Tagblatt, 24. Juli 2014


»Ihre Erinnerungen sind einerseits so detailliert, als hätte sie während der Haftzeit ein Tagebuch geführt. Andererseits verweisen sie auch auf das, was nach der Verbannung kommt: Dalias Zähigkeit, ihre wachsende Hartnäckigkeit und ein ›starker Wille, für mein Leben zu kämpfen. Kämpfen und gewinnen.‹«
Rita Nikolow, Der Tagesspiegel, 18. Juni 2014



Dalia Grinkevičiūtė: Aber der Himmel – grandios. Aus dem Litauischen von Vytene Muschick
Reihe: Zeugnisse & Dokumente
Berlin: Matthes & Seitz, 2014.206 S. ISBN: 978-3-88221-387-4

Quelle: http://www.matthes-seitz-berlin.de





April 2016

Dana Grigorcea

Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit

Roman

Lustvoll überschäumende Erzählkunst

Eine Bank wird überfallen und in der Folge die Angestellte Victoria vom Dienst beurlaubt, um ihr traumatisches Erlebnis zu verarbeiten. Eben erst in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, nutzt sie die Zeit, um das Bukarest ihrer Kindheit, aber auch der Gegenwart zu erkunden. Sie begegnet der alten Näherin auf ihrem Podest, dem Bankräuber, ihrem ehemaligen Liebhaber und dem Sohn der ermordeten Nachbarn wieder, während sie im heißesten Sommer seit Jahren im Cabrio durch die Stadt fährt mit ihrem Freund, der ihr einen Heiratsantrag macht.


Pressestimmen

»Es ist ein hinreißendes Rumänien-Porträt, das in der Erregung des rumänischen Volkes kulminiert, das sich nach Freiheit und Veränderung sehnt [...]«
Ijoma Mangold, DIE ZEIT


»Hier kam alles zusammen, was gute Literatur ausmacht: Witz, Komik, Tragödie, Poesie, Melancholie, Trauer, Elend, Liebe.«
Roman Bucheli, NZZ


»Grigorcea erzählt lakonisch, bricht oft im entscheidenden Moment ab. Sie ist eine der stärksten Sprachgestalterinnen der deutschen Gegenwartsliteratur.«
Felix Schneider, 52 beste Bücher, Radio SRF2 Kultur


»Ein wunderbar leichter, flirrender Roman darüber, dass man die Vergangenheit nicht zurückholen kann.«
Christian Möller, WDR5


»Mit ihrem zweiten Roman Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit macht [...] Dana Grigorcea klar: Sie ist eine der wichtigsten Stimmen der Schweizer Literatur.«
Felix Scheider, SRF Literatur


»Dass ihre Poesie zudem immerzu von leisem Humor grundiert wird, kann man kaum genug feiern. Hello, Bukarest!«
Wiebke Porombka, FAZ


»Lohnende Lektüre.«
Serena Jung, Literarischer Monat


»Virtuos und feinfühlig mit viel Sprachwitz führt Dana Grigorcea durch ihr Erzähl-Labyrinth aus Vergangenheit und Gegenwart.«
Silvia Berger, Anzeiger Affoltern


»Es sind melancholische, komische, kuriose, rührende Bruchstücke einer Biografie, die sich hier aneinander fügen [...] Mit Poesie, Eleganz und Sprachwitz entfaltet sich eine fremde, phantastische Welt.«
Verena Fabris, WeiberDiwan


»Kindheitserlebnisse [der Romanheldin] in den letzten Jahren der Ceausescu-Ära vermischen sich mit Begegnungen, Gesprächen und Erlebnissen im modernen Rumänien, wobei ihr immer wieder das titelgebende Gefühl der Schuldlosigkeit aufstößt.«
Peter Kohl, Badische Neueste Nachrichten


»Bukarest ist bereits in den Romanen von Mircea Cartarescu Literatur geworden, hier präsentiert sich die Stadt voll von Liebes- und Jugendgeschichten, bizarr und ein wenig melancholisch und zugleich von absurdem Witz.«
Annette Hoffmann, Der Sonntag


»Grigorceas Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit ist von beschwingtem Grundton, sie jongliert mit Worten, wenn sie ihre Heimatstadt Bukarest zum Hintergrund der Geschichte eines Bankraubs in Zürich macht.«
Thomas Hag, RP Online


»Von der alten Heimat erzählt Grigorcea in Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit mit einer Wucht à la Emir Kusturica. Ihr Rumänien ist ein Land, wo auch schon mal ein Nachbar statt mit dem Kopf aus dem Fenster mit den Füßen aus der Mülltonne rausschaut.«
Anna Kardos, EMMA


»›Erzähl mir alles nochmals von vorn‹, bettelt die kleine Victoria ihre mondäne Großmutter an, als diese ihr zu verstehen gibt, dass sie bereits alles erzählt habe. Gleiches möchte man am Ende des Buches rufen: Erzählen Sie bitte weiter, liebe Frau Grigorcea, oder erzählen Sie alles nochmals von vorn, weil’s so gut war – und weil es jedes Mal anders sein wird.«
Hanna Hesse, Literaturblatt für Baden-Württemberg


»In Dana Grigorceas Roman Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit wird eine Bank überfallen - die Angestellte Victoria ist mittendrinnen. Sie wird für einige Zeit vom Dienst beurlaubt und kehrt in ihre Heimatstadt Bukarest zurück. Dort beginnt sie die Stadt und die Orte, an denen sie ihre Kindheit verbracht hat, zu besuchen und neu zu entdecken. Sie erlebt einen Sommer, heiß wie seit Jahren nicht mehr und durchzogen von einer Vielzahl unerwarteter Ereignisse.«
3satbuchzeit extra


»Ich würde Dana Grigorcea wieder als Reisebegleiterin wählen.«
Nanni, Bibliophilin


»In Dana Grigorceas Roman Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit wird eine Bank überfallen - die Angestellte Victoria ist mittendrinnen. Sie wird für einige Zeit vom Dienst beurlaubt und kehrt in ihre Heimatstadt Bukarest zurück. Dort beginnt sie die Stadt und die Orte, an denen sie ihre Kindheit verbracht hat, zu besuchen und neu zu entdecken. Sie erlebt einen Sommer, heiß wie seit Jahren nicht mehr und durchzogen von einer Vielzahl unerwarteter Ereignisse.«
3satbuchzeit extra


»So muss ein guter Roman sein!«
Stefan Möller, LEO


»Ihre [Dana Grigorceas] klare Sprache und der staubtrockene Humor stehlen den vielen ohnehin abstrusen Begebenheiten nicht die Schau, sondern illustrieren gekonnt die Mentalitätsunterschiede zwischen West und Ost [...].«
Doris Roth, Siebenbürgische Zeitung



Grigorcea, Dana: Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit, Roman, Dörlemann, 2015. – 262 S.
ISBN: 978-3-03820-021-5

Quelle: http://www.doerlemann.com





März 2016

Jenny Erpenbeck

Gehen, ging, gegangen

Roman

Entdeckungsreise zu einer Welt, die zum Schweigen verurteilt, aber mitten unter uns ist Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Wie geht man um mit dem Verlust derer, die man geliebt hat? Wer trägt das Erbe weiter? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Flüchtlingen auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.

Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.


Drei Fragen an Jenny Erpenbeck

Sie haben sich in einem offenen Brief für die Flüchtlinge vom Berliner Oranienplatz engagiert. Was hat das mit Ihrem neuen Roman zu tun?

Auch in meinen bisherigen Büchern habe ich viel über die Frage der Herkunft und über die Brüche in Biografien nachgedacht. Also über das, was Entwurzelung und Flucht nicht nur für ein Menschenleben, sondern auch in Hinsicht auf nachfolgende Generationen bedeuten. Flüchtlinge wie die vom Oranienplatz sind mitten in unseren Städten, über sie wird verhandelt, sie geben gutes Rohmaterial ab für Politik – und auch für Rassismus. Aber wer sind diese Menschen überhaupt? Wie vergeht ihre Lebenszeit? Warum können sie nicht dort sein, wo sie eigentlich sein wollen – in ihrer Heimat? Und wer sind wir, dass wir sagen dürften, es sind zu viele? Das interessiert mich.

Was kann Literatur zu diesem gesellschaftlich so bedeutenden Thema beitragen?

In der wirklichen Welt gibt es im Moment sehr viele Fronten. An einem Buch ist das Schöne: Es ist eine Welt für sich. Literatur ist ja nicht nur Erzählen, sondern setzt Zuhören voraus, und Zuhören bedeutet, dass man sich mit Respekt begegnet. Wahrnehmung ist kein Luxus, sondern essentiell notwendig, so wie Essen und Trinken. Wo Gesetze die Wahrnehmung verhindern, kann der Literatur, so hoffe ich, diese Annäherung dennoch gelingen.

Welche war für Sie die wichtigste Erkenntnis in der Auseinandersetzung mit den Themen „Flucht“ und „Asyl“?

Ein Mensch, der in Italien oder Griechenland als Flüchtling anerkannt ist, darf nicht wie ein Verbrecher behandelt werden, nur weil er auf der Suche nach Arbeit in ein anderes europäisches Land kommt. Freizügigkeit innerhalb Europas zu verweigern, ist nicht nur unmenschlich, sondern auch kurzsichtig. Es treibt junge und hochmotivierte Menschen, die hier ihren Platz finden könnten, in Verzweiflung, Prostitution und Kriminalität. Armut und Kriege in den Herkunftsländern der Flüchtlinge haben wiederum oft ganz direkt mit unserem Wohlstand zu tun. Es gibt nun einmal nicht drei oder vier Welten, es gibt nur eine. Dass ein Gefälle nach Ausgleich strebt, ist ein Naturgesetz.

Pressestimmen

»(...) dieser Roman ist realistisch: Nicht weil er Verhältnisse real darstellt, sondern weil er eine literarische Wirklichkeit aufbaut, die die Weltrealität reflektiert.«
Stefana Sabin, NZZ am Sonntag, (30.08.2015)


»"Gehen, ging, gegangen" ist ein Werk von bezwingender Aktualität – und zugleich eines, das diese Brisanz literarisch weder gesucht noch einkalkuliert hat, weil ihm jeglicher Zynismus fremd ist.«
F.A.Z.net, Felicitas von Lovenberg (15.09.2015)


»Jenny Erpenbeck hat das Buch der Stunde geschrieben. (...) Es ist ein trauriger Glücksfall für die deutsche Literatur, den Erpenbeck uns hier beschert.«
Der Spiegel, Elke Schmitter (05.09.2015)


»Ich habe ganz großen Respekt für diesen Text von Jenny Erpenbeck, weil es ihr wirklich gelungen ist, Gefühlsduselei, Klischees und Schwarzweißmalerei zu meiden. Und dann bekommt man durch die Begegnung mit ihren Romanfiguren einen neuen Blick auf die Problematik.«
NDR Kultur, Ulrike Sárkány (13.08.2015)


»Ein zutiefst menschlicher Roman, genau zur richtigen Zeit.«
DeutschlandRadio Kultur "Frühkritik" (17.08.2015)


»Jenny Erpenbeck erzählt von ihren eigenen Recherchen durch das Prisma ihres Protagonisten, dabei gelingen ihr empathische Inneneinblicke in die wirklichen Probleme der Flüchtlinge, die einem zuvor nicht bewusst waren.«
ARD "Druckfrisch" (04.10.2015)


»Ein großer Wurf und eine Besinnung auf die Grundwerte der Humanität.«
NDR "Bücherjournal", Susan Loehr (09.09.2015)


»Es ist die Qualität dieses Romanes, dass er mit Vorurteilen bricht, hinter die Oberflächen schaut und fremde Kulturen näher bringt.«
Südkurier, Welf Grombacher (09.09.2015)


»(…) Doch der Roman ist weit mehr als ein Zeugnis von Nächstenliebe, Scham und Ratlosigkeit. Jenny Erpenbeck weicht den Konflikten, die die Annäherung der Kulturen mit sich bringt, nicht aus.«
F.A.Z., Felicitas von Lovenberg (14.08.2015)



Erpenbeck, Jenny: Gehen, ging, gegangen - Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015
Knaus,2015, ISBN 978-3-8135-0370-8

Quelle: http://www.randomhouse.de





Februar 2016

Alina Bronsky

Baba Dunjas letzte Liebe

»Wenn ich mich in meinem Alter noch über Menschen wundern würde, käme ich nicht mehr zum Zähneputzen.« Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreißend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.
Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Auf kleinem Raum gelingt Alina Bronsky voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz eine märchenhafte und zugleich fesselnd gegenwärtige Geschichte.

Pressestimmen

»Eine große Geschichte von Menschen und ihrem Mut, ihrer Kraft und ihrer Unbeugsamkeit (...) Am Ende des Romans, nach 154 Seiten, hätte ich das Buch am liebsten umarmt.«
Christine Westermann, WDR, Frau TV


»Ein feiner Zauber durchweht die Prosa, eine Leichtigkeit, die den Leser mitnimmt, eine Fröhlichkeit, die noch lange nachhallt.«
Ex libris ,ORF


»Auf kleinem Raum gelingt Alina Bronsky voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz eine märchenhafte und zugleich fesselnd gegenwärtige Geschichte.«
Buch Magazin


» [...] ein Buch voller Witz, Melancholie, Menschlichkeit [...].«
literaturkritik.de


»_Baba Dunjas letzte Liebe_ ist eine hochintelligente, poetische, humorvolle und fesselnde Lektüre.«
kultumea.de


»[...] dass man [...] mit der Protagonistin fühlt, ist ein strakes Zeichen für die Güte des Buches.«
literaturkalender.faz.net


»[...] ein Buch, das man schnell verschlungen hat, aber nicht so rasch vergisst.«
Brigitte woman


»Schon lange nicht mehr hat jemand so fesselnd geschrieben über Heimat, Zusammenhalt, Lebensmut, Aufopferung – und Gelasseneheit [...].«
hr 1


»Was für eine wunderbare Geschichte ist das!«
Mokka Magazin



Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe, Hamburg. Kiepenheuer & Witsch,2015, 160 S.
ISBN: 978-3-462-04802-5





Januar 2016

Alvydas Šlepikas

"Mein Name ist Marytė"

Das litauische Buch des Jahres 2012

Ein bewegender Roman über die vergessenen »Wolfskinder«
Einer beginnt den Krieg, einer geht als Sieger hervor, Witwen und Kinder aber zählen stets zu den Verlierern. Der Zweite Weltkrieg fand ein Ende, sie haben ihn verloren, denn die Gefallenen waren ihre Väter, die Witwen ihre Mütter. Die Welt war voller Wut und ermattet. Und sie – nur Kinder. Wolfskinder .Alvydas Šlepikas’ Roman »Mein Name ist Maryte« erzählt in berührender Weise die lange in Vergessenheit geratene Geschichte ostpreußischer Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Einmarsch der Roten Armee. Von Hunger und materieller Not getrieben, gingen sie über die Memel nach Litauen, um dort bei Bauern um Essen und Obdach zu betteln oder auch bei diesen für Brot und Unterkunft zu arbeiten. Der Roman beruht auf langen Gesprächen des Autors mit diesen Wolfskindern, von denen nicht wenige von litauischen Familien großgezogen wurden und einige bis heute im Land leben. Ein Buch über Liebe, Mitgefühl und Erinnerung.

Zu dem Buch:

Wie bewältigten Acht und Zehnjährige den Weg in ein fremdes Land, ohne Mutter, Zielort und Sprachkenntnisse? Welche Erfahrungen sammelten sie beim Betteln? Wie bewegten sie sich zwischen den Fronten des litauischen Unabhängigkeitskampfes? Weshalb fanden sie als Deutsche dort überhaupt so eine breite Unterstützung? Und was passierte in ihrem Innern, wenn sie schließlich ihren Namen fürs Überleben eingetauscht hatten? Alvydas Šlepikas hat in der ostpreußischen und litauischen Nachkriegsgeschichte meisterhaft recherchiert. Seine zahlreichen Gespräche mit Zeitzeugen lässt er in die Hauptfigur Marytė einfließen und komponiert eine Handlung, die sich so nach 1945 tausendfach zugetragen hat. Souverän umschifft er dabei die Klippen lauernder Rührseligkeit und verliert sich ebenso wenig in der Darstellung bloßer Gewalt. Sein nüchterner Erzählstil fesselt, weil er mit lakonischen Einwürfen Bilder von ungeheurer Tiefe und emotionaler Wucht zu schaffen versteht.

… der Namen Marytė ist ein sehr einfacher Name. Und man hat ihnen (Wolfskindern) beigebracht, dass sie - wenn zum Beispiel sowjetische Soldaten ins Haus kommen - einfach sagen: "Mein Name ist Marytė." Dann hat keiner Verdacht geschöpft, denn das war eine große Bedrohung für die ganze Familie! Wenn die sowjetischen Soldaten erfahren hätten, dass es ein deutsches Mädchen ist, drohte der ganzen Familie, nach Sibirien gebracht zu werden.
Alvydas Šlepikas im Interview mit Journalistin Monika Griebeler, Deutsche Welle


Es gibt Menschen, die sagen, der Roman sei schrecklich. Und es gibt auch Menschen - die Wolfskinder nämlich - die sagen, es gebe nicht genug Grausamkeit in diesem Buch. Denn die Realität war schrecklicher. Meine Aufgabe war eigentlich nicht, alles sehr, sehr realistisch zu schildern. Meine Aufgabe war, über dieses Thema zu berichten, damit die Menschen überhaupt davon erfahren. Und wenn sie sich in das Thema weiter vertiefen möchten, können sie nach bestimmten Dokumenten, nach Erinnerungen suchen, die aufgeschrieben wurden. Mein Buch ist so gesehen ein Kunstwer.Alvydas Šlepikas im Interview mit Journalistin Monika Griebeler
Alvydas Šlepikas im Interview mit Journalistin Monika Griebeler